1999-05 Die Tour de France – Ausführlicher Bericht

Die Es-hätte-einen-ja-gewundert- wenn-alles-geklappt-hätte-Tour vom 21. Mai bis zum 29. Mai 1999

Der ausführliche Bericht

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1999-05 Die Tour de France

Prolog

Zu allererst stellt sich ja die Frage, wie es zu all den unten aufgeführten Ereignissen kam. Dazu läßt sich sagen, daß die Idee ursprünglich von Steffi und Marius kam. Wobei wir auch schon bei den mitwirkenden Personen wären: Steffi und Marius als Initiatoren, der Obermieter, bekannt als Markus, Nico und schließlich noch Daniel.

Es standen anfangs mehrere Ziele zur Auswahl: Die Elbe, Kroatien und die Côte d’Azur. Ersteres kam nicht in die engere Auswahl, da eine zuverlässige Wetterprognose und Sonnengarantie nicht in Erfahrung gebracht werden konnten. Kroatien wurde schon vor den Zwischenfällen im Balkan verworfen, da es sich als schlecht erreichbar entpuppte: Unter sieben Mal Umsteigen war dieses Ziel mit der Bahn nicht erreichbar. Blieb also nur noch die Côte d’Azur.

Um dorthin zu gelangen, bemühten wir die Deutsche Bundesbahn. Die Vorgabe war klar: Fünf Personen mit fünf Fahrrädern von Hannover nach Toulon. Erste Reaktion des Bahnbeamten: ‚Das geht nicht!‘ Es macht natürlich keinen guten Eindruck, wenn sich die Bahnbediensteten selbst nicht mir ihren Computern auskennen, oder der Kunde mehr weiß, als der Mann hinter dem Schalter. Daraufhin wurde jedenfalls ein weiterer Angestellter konsultiert: ‚Da gäbe es wohl eine Möglichkeit!‘ In diesem Stil ging es dann weiter, bis die Sache dank Internet schließlich selbst ausgearbeitet wurde und die fertige Streckenplanung ’nur‘ noch durch die DB gebucht und reserviert werden mußte. Letzteres war natürlich wieder ein Abenteuer, und dauerte ungefähr vier Wochen. Unnötig zu sagen, daß der Fahrplanwechsel Ende Mai auch noch Schwierigkeiten bereitete.

Was war denn nun eigentlich geplant? Mit der Bahn sollte es bis nach Toulon gehen. Ausgesucht hatten wir folgende Route: Von Hannover nach Frankfurt. Dort umsteigen in sieben Minuten. Nicht gerade viel, aber machbar, da Frankfurt einen Kopfbahnhof hat. Weiter sollte es nach Mainz gehen. Dort umsteigen in Richtung Saarbrücken, von dort nach Metz, und schließlich dort ein letzes Mal in den Nachtzug einsteigen, der bis nach Toulon durchfährt. So wurden uns acht Stunden Schlaf geschenkt. Ankunft in Toulon sollte dann 8.00 Uhr sein – wir sollten den ganzen Tag für uns haben!

Von Toulon aus ging es dann mit dem Rad weiter (wie auch sonst): Es war ein Abstecher an der Küste entlang nach Westen bis nach Cassis geplant. Dort wollten wir dann einen Tag rasten. Danach sollte es ca. zwei Tage lang durch das Landesinnere nördlich von Toulon wieder nach Osten gehen: Über Signes, Belgentier und Sollies-Pont nach Carqueiranne wieder an die Küste. Dann an der Küste weiter nach Osten bis nach St. Tropez, eine nicht ganz unbekannte Stadt… Dafür waren ebenfalls etwa zwei Tage eingeplant. Die Rückfahrt nach Toulon sollte auch wieder an der Küste entlang führen, jedoch hielten wir uns die Option offen, auch etwas weiter im Inland zurückzufahren. Wir sind ja flexibel.

Soviel zur Theorie. Es folgt nun die Praxis!

Freitag, 21. Mai

Bombenwetter! Warum fahren wir eigentlich weg?

Am Morgen standen dann wohl alle vor der unlösbaren Aufgabe: Wie soll man das alles bloß einpacken???

Aber oh Wunder, es hat tatsächlich alle hineingepaßt! Zu diesem Zeitpunkt war die Packtasche auch noch heile. 5 Minuten später war dann die Naht gerissen! Vielleicht war sie doch zu voll, oder einfach nur von schlechter Qualität.

Abfahrt war um 12.25 Uhr. Pünktlich eine halbe Stunde früher fanden sich alle vor dem Bahnhof ein.

Gemeinsam wurde der Bahnsteig geentert. Dabei erwiesen sich die Rolltreppen (sofern funktionsfähig) als sehr praktisch, um die Fahrräder nach oben zu transportieren. Eine Einrichtung, die wir auf manch anderen Bahnhöfen vermißten. Nico machte noch die letzten Noteinkäufe: Er hatte das Trinkwasser vergessen! Der pünktlich einlaufende Zug wurde geentert, alle Räder abgepackt, verstaut und die Taschen mitgenommen. Eine Prozedur, die sich im Laufe dieses Urlaubes noch des Öfteren wiederholen sollte…

Als nächstes wurden die Mitreisenden von unseren Plätzen verscheucht – schließlich hatte man ja für teures Geld reserviert! Da wir zwei Tische hatten, wurde erst einmal Mittag gemacht…

Die Fahrt zog sich dahin. Lesen, raus schauen, schlafen, unterhalten (wir hatten zeitweise schon angenommen, daß wir den Urlaub zu sechst verbringen würden!). Und natürlich mußte besprochen werden, wo wir denn nun eigentlich entlang fahren wollten.

Ankunft in Frankfurt. Es war nicht viel Zeit zum Umsteigen. Aber dank Sackbahnhof (aufgrund der Emanzipation besser ‚Kopfbahnhof‘) und fahren auf dem Bahnsteig schafften wir die Kommutierung in nur 2 Minuten! Dann die Enttäuschung: der Zug hatte 10 Minuten Verspätung. Das war noch kein Problem, da in Mainz ja 15 Minuten Umsteigezeit eingeplant waren. Die Seifenblase vom reibungslosen Urlaub zerplatzte in dem Moment, als der Zug noch mal 10 Minuten im Bahnhof stand. Als Krönung betrug die Mittlere Reisegeschwindigkeit auch nur maximal 30 km/h! Das blähte die Fahrzeit von 30 auf 50 Minuten auf! Die zuständige Schaffnerin war zwar sehr hilfsbereit, konnte dennoch nicht weiterhelfen. Aufgrund des Umbaus in Mainz war es nicht einmal möglich, den Bahnsteig zu erfragen, in den der Zug einläuft: Das wurde immer erst kurz vor Einlauf des Zuges entschieden!

Der Anschlußzug war weg. Resignation breitete sich aus. Wir standen etwas planlos mitten im Bahnhof.

Marius ging Informationen einholen. Oder besser gesagt, er rannte ins Reisezentrum, und veranstaltete dort einen riesigen Aufstand! Das Ergebnis war nach etwa 20 Minuten, daß er eigenmächtig und ohne allgemeine Zustimmung die Fahrtroute geändert hatte. Es ging jetzt nach Mannheim. Dort würden wir eventuell einen Zug nach Straßburg erreichen. Von dort aus ‚müßte man mal sehen‘. Die einzigen Probleme waren: Vielleicht würde der Zug in Mannheim schon weg sein. Außerdem besaß der Zug nach Mannheim kein Fahrradabteil. Aber wir hatten eine Ausnahmegenehmigung; dafür mußten wir die Fahrräder allerdings zwischen den Waggons deponieren. Und das bei einem völlig überfüllten Zug! (Später stellte sich allerdings heraus, daß er nur dort so voll war, wo wir waren – ob da etwa ein Zusammenhang bestand?) Beim Einsteigen sträubte sich der Schaffner energisch dagegen, war jedoch hinterher sehr kooperationsfreudig!

Kurz nach der Abfahrt stellte sich die Frage, ob denn auch alle mit eingestiegen waren. Die glückliche Gruppe war die mit Marius, da er die Fahrkarten hatte: Nico und Daniel. Die anderen Beiden wurden erst zwanzig Minuten später gefunden – so ist das, wenn man im falschen Zugende sucht.

Dreißig Minuten später (die wir im Stehen verbrachten) erreichten wir Mannheim. Gott sei dank war der Zug noch da. Er wollte gerade abfahren. Das nächste Problem tat sich auf: Wir hatten für diesen Zug nicht reserviert! Und das Fahrradabteil war nicht gerade leer! Egal. Erst mal rein. Der Rest würde sich schon finden. Es war ja nur für eine Stunde.

So war es dann auch. Weitergegessen haben wir dann auf dem Boden. Karten gespielt auch. Man ist ja flexibel.

Daniel hält aufgrund der Enge die Kamera hoch. ‚Seid ihr alle drauf?‘ – ‚JAAA!‘

Irgendwann sind dann noch zwei Radwanderer aufgetaucht, die nach Avignon unterwegs waren. Jetzt wurde es richtig voll im Fahrradabteil! Aber immerhin, Avignon lag auf unserer Route! Die kannten sich auch bestens mit dem Anschlußzug in Straßburg aus (zumindest mehr oder weniger).

In Straßburg angekommen stellte sich dann heraus, daß dort französisch gesprochen wurde! Nun denn, dann mußten wohl alle mal anfangen, zu graben… Der Zug war voll! Hat auch keinen mehr verwundert. Wir hatten die Wahl zwischen dem vollen Zug und einem Ersatzzug, von dem keiner wußte, ob er ein Fahrradabteil hatte. Der Schaffner bot uns allerdings an, im Gepäckabteil des vollen Zuges bei den Rädern zu bleiben. Akzeptiert. Kurz nachdem die Räder im Gepäckwagen verstaut waren, fand Marius einen anderen Waggon ebenfalls mit Gepäckabteil und zusätzlich ein freies Personenabteil! Es folgte ein weiterer Umzug…

Nachdem sich der Zug endlich in Bewegung gesetzt hatte, konnte der gemütliche Teil beginnen: Die Weinflaschen wurden geöffnet, und wir konnten uns etwas bequemes anziehen! Außerdem verlas Marius noch aus der Apostelgeschichte die Pfingstpredigt, der alle gespannt lauschten…

Zu recht später Stund‘ machten wir uns auf den Weg in die Betten: Aufgrund der Schauergeschichten, die uns die anderen Beiden erzählt hatten (Demontage der Fahrräder über Nacht) und weil man im Liegen ohnehin besser schlafen kann, als auf diesen Liegesitzen, wollten wir im Gepäckabteil übernachten. Wozu hatten wir schließlich Isomatten und Schlafsäcke mit?

Wäre auch kein Problem gewesen, wenn nicht ein paar betrunkene Franzosen aufgetaucht wären, und einen Kollegen unter unseren Taschen versteckt hätten, da er keine Fahrkarte hatte… Außerdem ist der Federungskomfort im Gepäckwagen nicht ganz so hoch, wie im herkömmlichen Wagen. Aber man ist ja flexibel.

Samstag, 22. Mai

Super Wetter! Darum sind wir ja nach Frankreich gefahren!

Kurz nachdem die Beiden in Avignon ausgestiegen waren (um 4 Uhr morgens!) verzeichneten wir bereits den ersten Verlust: Nicos Sonnenbrille war unauffindbar. Ob vielleicht die Beiden…

Nach einer unruhigen Nacht landeten wir schließlich morgens um 7.30 Uhr in Toulon – also ohne wesentliche Verspätung. Unsere erste Mission war, möglichst schnell und vor allem unbeschadet die Innenstadt zu verlassen, und etwas zum Frühstücken zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt machten wir das erste Mal Bekanntschaft mit der Radfahrernation und ihren Fahrgewohnheiten.

Schließlich fanden wir doch eine kleine französische Bar: Wir bestellten fünf Mal zwei Croissants, 4 Mal Café au Lait und einen Tee (SPALTER!). Dieses Frühstück mußte einfach so sein: typisch französisch! Welch ein Genuß! Unnötig zu erwähnen, daß die Sonne uns förmlich anlachte! Es stellte sich die Frage, warum man Sonnencreme eigentlich nicht essen kann?

An dieser Stelle lernten wir zum ersten Mal die Hilfsbereitschaft der Franzosen kennen: Auf die Frage, ob der Wirt uns etwas Wasser geben könnte, füllte er prompt all unsere Sigg-Flaschen mit herrlich kühlem Wasser auf!

Endlich starteten wir. Es ging steil bergauf. Und da traten auch schon die ersten Ausfallerscheinungen an Daniels Gangschaltung auf. Die Suche nach einem Campingplatz rückte in den Hintergrund. An ihre Stelle trat die Suche nach einer Fahrradwerkstatt. Der erste Fahrradhändler macht uns schon wenig Hoffnung. So ist das halt, wenn einem im Ausland deutsche Wertarbeit kaputt geht: Man bekommt keine Ersatzteile!

Auch der zweite Fachmann schloß sich der ersten Meinung an. Ersatzteile wären frühestens in einer Woche zu haben. Jedoch wurde uns der Fahrradhändler CAP 83 in Six Four Les Plages empfohlen. Nach dem letzten Strohhalm greifend, fuhren wir dorthin – immerhin lag es auch auf dem Weg! Auch der gute Mann dort erzählte uns nichts neues. Immerhin konnte er den Defekt durch eine Messung der Kette nachweisen.

Jedoch kamen wir auf die Idee, einfach ein Rad zu leihen! Kein Problem. Das kaputte könnten wir auch dort lassen. Ein paar Probleme bereitete noch die Tatsache, daß Daniel in Frankreich einen festen Wohnsitz hatte (Es war zumindest keiner geplant). Für die Kaution ging dann Daniels gesamte Reisekasse drauf, so daß er sich für den Rest der Tour durchschnorren mußte.

Bevor Daniel dann endlich sein ’neues‘ City-Bike bestiegen konnte und die Tour richtig losging, wurde erneut die Hilfsbereitschaft der Franzosen auf die Probe gestellt: Wir baten die Fleischerin von gegenüber um Wasser. Kein Problem! Wenn wir etwas Zeit mitgebracht hätten, dann hätte sie die Flaschen auch in den Kühlschrank gestellt!

Und dann legten wir los. Die pure Radel-Freude breitete sich aus! Bei Marius kaum zu übersehen!

Der Weg führte quasi immer an der Küste entlang.

Das Etappenziel für diesen Tag hieß Bandol. Die Touristeninformation hatte natürlich geschlossen! Auf unseren Karten war kein Campingplatz eingezeichnet. Nachdem wir über 10 verschiedene Leute gefragt haben, erreichten wir schließlich doch den Campingplatz. Er lag auf einen Berg! Das Einchecken verlief ohne Probleme. Der Campingwart war sehr freundlich – auch wenn wir ihn nur schwer verstanden haben. Marius und Nico bauten Marius‘ Tunnelzelt auf, der Rest das Iglu-Zelt von Markus. Beide Teams waren gleichzeitig fertig.

Dann ging es wieder runter zum Strand. Das bedeutete einmal mehr eine waghalsige Tour: Die Motorrad- und Autofahrer waren nicht gerade rücksichtsvoll! Vor allem die Kreisel bargen ein hohes Gefahrenpotential. Der Hinweis darauf ist an jeder Kreiseleinfahrt zu finden: ‚Vous n’avez pas la priorité‘ [‚Sie haben nicht die Vorfahrt‘]

Gelandet sind wir dann am Hafen. Weiter ging es auf der Strandpromenade auf der Suche nach dem Stand. Schließlich fanden wir eine kleine geschützte Bucht. Räder an der Straße anschließen und los geht’s.

Als erstes wurde ein Happen gegessen – alle Mägen hingen schon zwischen den Knien. Und dann ab ins Wasser! STOP!!! Das Wasser war sooo kalt! Aber schließlich haben alle bis auf Marius ihren inneren Schweinehund überwunden. Ein letztes Mal erklommen wir den Berg zur Jugendherberge. Daniel machten noch eine kleine Extrarunde, um sein Rad zu testen. Dabei kam er auf den Hund…

Dann endlich duschen und frische Klamotten anziehen. Was für eine Wohltat. Essen Kochen. 1 Kilo Spaghetti. Das reicht nie, so der Tenor. Was dann nicht gereicht hatte, war die Soße (Tomaten-Käse und Käse-Sahne)! An diesem Abend lernten wir zum ersten Mal Steffis Riesenhunger kennen!

Schließlich ging es dann ab in die Heia! Alle waren so müde, daß auch die tausend Motorräder, die auf der 20 Meter entfernten Straße entlangknatterten nicht sonderlich gestört haben.

Pfingstsonntag, 23. Mai

Immer noch herrliches Wetter!

Wir nahmen das vom Campingwart angebotene günstige Frühstück gerne an. Man ist ja im Urlaub doch etwas faul… 9 Stück Baguette für 5 Leute? Da ist wohl etwas schief gelaufen. Doch der Irrtum wurde schnell bemerkt und korrigiert. Jedoch entpuppte sich das Frühstück als etwas sparsam.

Dann ging es ans Abbauen der Zelte. Kurz vor der Abfahrt, als alle die Räder aufschließen wollten, die zur Sicherheit alle zusammengeschlossen waren, wurde Marius plötzlich hektisch. Begleitet von heftigen Fluchen, schien er etwas zu suchen: Die Fahrradschlüssel! Nachdem er all seine Sachen erfolglos durchsucht hatte, wurde die Suche auf den gesamten Platz ausgedehnt. Auch der Campingwart wurde mit einbezogen. Jedoch ohne Erfolg! Nach etwa einer Stunde, als der Rest gerade anfangen wollte, Marius Packtaschen einfach auszuschütten, wurde er fündig: In der Seitentasche der Lenkradtasche!

Es konnte weiter gehen. Glücklicherweise hatte der Verkehr doch merklich nachgelassen. Der Weg nach La Ciotat führte uns durch super Landschaften… In La Ciotat angekommen, haben wir kurz am Strand gestanden, und über eine Pause nachgedacht. Diese wurde auf später verschoben. Außerdem stand noch zur Debatte, ob die weitere Fahrt ‚unten rum‘ oder ‚oben rum‘ führen sollte. ‚Oben rum‘ bedeutete keine Pause am Meer. ‚Unten rum‘ war weiter. Wir entschieden uns für ‚oben rum‘. Eine Entscheidung mit Folgen…

Es ging ab in die Berge! Die erste Steigung erklommen wir noch im Ort. Aber sie Straßenführung kam allen doch etwas spanisch vor – und das in Frankreich. Daher wurde Marius als Späher die nächste Steigung hinaufgeschickt. Unsere Befürchtung wurde von einem schweißgebadeten Marius bestätigt: Es handelte sich um eine Sackgasse! Wir waren wohl zu früh links abgebogen. Also retour.

Nächste links. Kurz vor der ersten Steigung der neuen Strecke machte Daniel Marius auf ein Hinweisschild aufmerksam, an dem alle schnell vorbeigefahren sind, um Schwung für den Aufstieg zu bekommen. Marius Reaktion darauf: ‚Wenn es für uns wichtig war, dann kehren wir halt noch mal um.‘

Diesmal war es noch steiler. Dafür auch schöner: Wir kamen nämlich aus dem Ort raus. Der Rastplatz lag genau am Ende der ersten Steigung. Wie praktisch! Außerdem ließen wir uns die Richtigkeit des Weges diesmal von einem Einheimischen bestätigen! Dieser sprach uns noch seine Bewunderung aus, und verschwand! Nach einem reichhaltigen Mittagessen machte sich Müdigkeit breit, und es wurde Siesta gemacht…

Während unserer Pause kamen 4 Autos vorbei. Das ließ außerdem auch auf die Richtigkeit des Weges schließen, da sie nicht wieder zurückkamen.

Schließlich überwanden wir dann doch den inneren Schweinehund und fuhren weiter. Als Abwechslungen zwischen den diversen Steigungen kamen wir dann auf den Hund. Oder treffender: Den letzten beißen die Hunde!

Die Straße wurde zum Weg. Dieser endete dann schließlich in einem Steinbruch! Dort trafen wir dann wieder auf alle Autos, die vorher an uns vorbeigefahren sind: Sie veranstalteten dort ein Modellautorennen. Wieder einmal erkundigten wir uns nach dem Weg. Wir mußten wieder zurück – wer hätte das gedacht! Wohl dem, dessen Bremsen funktionierten! Man sagte uns, wir sollten die Bifurkation suchen! Die war an genau der Stelle, wo das besagte Schild stand!

Es ergab sich ein neues Problem: Das Wasser war alle. Und es war heiß, und wir hatten noch viel vor uns! Markus versuchte sein Glück indem er an diversen Häusern klingelte. Jedoch ohne Erfolg. Scheinbar hatten wir die französische Gastfreundschaft doch etwas überstrapaziert.

Schließlich kam eine etwas ältere Frau mit engen Hosen, rosa Rüschenbluse, Hut und Hund vorbei. Angesprochen, sagte sie, daß sie zwar nicht hier wohne, aber bei einer Freundin Wasser holen kann. Daniel ging mit. Im Laufschritt ging es los. 5 Minuten später kletterte sie dann über eine 2 Meter hohe Gartentür und machte von innen auf. Auf dem gesamten Weg war die gute Frau am schimpfen, wie man uns denn kein Wasser geben kann. Wir hätten von ihr sogar noch Eis bekommen können! Also gibt es doch noch hilfsbereite Franzosen! Sie wiederholte noch diverse Male, wie schön es doch in Cassis sei, und dann ging es weiter. Bergauf.

Es ging vorbei vielen großen Privatgrundstücken, abgegrenzt durch aufgeschichtete Steinmauern…

Und immer wieder bergauf! Den ersten Etappensieg an der vermuteten Spitze konnte sich Daniel sichern. Nico, als zweiter, begrüßte Daniel mit einem entsetzten Ausruf: ‚Ja bist du denn des Wahnsinns!?!‘ Dieser wußte gar nicht, worum es denn geht. Die zweite Bemerkung war: ‚Markus‘ Laune können wir wohl für den heutigen Tag vergessen!‘

Als Markus ‚oben‘ angekommen war, ließ er alles fallen, nahm seine Wasserflasche uns setzte sich hin, wo er stand – mitten in die Sonne. Die Aufforderung, sich in den Schatten zu setzen, verneinte er aus dem Grund, daß er dazu keine Kraft mehr hätte. Nach einer Verschnaufpause und diversen Fotos ging es weiter. Wir waren nun etwa auf der selben Höhe, wie vorhin am Steinbruch.

Auch die zweite ‚Spitze‘ entpuppte sich als Ente, so daß Marius gleich durchfuhr bis nach ganz oben. Auf dem Weg wurden alle angefeuert von diversen Familien, die am Straßenrand picknickten. Sie waren übrigens mit dem Auto da.

Schließlich, der eigenen Leistungsgrenze sehr nahe gekommen, waren wir alle oben. Uns empfing jedoch nicht die einsame Idylle, sondern eine Straße, auf der scheinbar alle Welt zum Aussichtspunkt von Cap Canaille fuhr. Wir, direkt an der Straße rastend, wurden von diversen Autos und besonders von diversen rücksichtslosen Motorrädern belästigt. Interessant waren auch die vielen Omis, die alle in ihren klimatisierten Bussen an uns vorbeigekarrt wurden: Viele winkten uns zu und waren dann ganz enttäuscht, daß wir nicht zurückgewunken haben!

Nach einer sehr langen Rekonvaleszenzzeit und diversen Kilo Traubenzucker, machten sich Nico, Marius und Daniel auf den Weg dorthin, wo alle anderen auch hingefahren sind: Cap Canaille. Zum Einen, um die geniale Aussicht zu genießen, und zum anderen, um vielleicht herauszubekommen, ob es in Cassis denn nun einen Campingplatz gibt. Aber erst einmal mußte die herrliche Aussicht genossen werden!

Gefragt hatten wir dann eine Frau mit Wohnmobil. Die müßte doch einen Campingführer haben. Hatte sie auch! Einen dicken. Nur von Frankreich. Ganz neu. Aber Cassis stand trotzdem nicht drin. Nun La Ciotat, aber da kamen wir gerade her. Shit! Wahrscheinlich sahen wir so frustriert aus, daß sie uns ein Bier angeboten hat. Das lehnten wir dann aber doch ab… Aber immerhin, die gastfreundlichen Franzosen!

Und dann ging es wieder bergab. Eine Schande, wie man die so mühsam erarbeitete potentielle Energie einfach in Bremswärme vergeudet! Die Felgen waren auf jeden Fall heiß! Kein Wunder bei einem Gefälle von 30%! Nun denn, aber runter kommen sie ja bekanntlich alle. Fast hätten wir das Schild übersehen, welches auf den Campingplatz von Cassis hinweist. So ist das, wenn man fast mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs ist!

Den Campingplatz fanden wir doch relativ schnell. Nachdem wir uns mit den Rädern an der langen Autoschlange vorbeigeschummelt hatten, war das Ergebnis ernüchternd: Der Platz war voll! In einer langen Debatte versuchten Nico und Steffi den Platzwart davon zu überzeugen, daß wir mit dem Rad da seinen, und nicht mehr willens waren, auch nur einen Kilometer weiter zu fahren. Ihre Mühe hatte Erfolg: Wir bekamen einen Platz auf dem Platz. Allerdings einen Autostellplatz! Der war dann auch dementsprechend groß! Aber man ist ja flexibel.

Steffi und Nico gingen einkaufen – sie wußten schon warum: Der Boden war hart, wie Beton. Das merkten wir aber erst, als wir die Zelte aufstellen wollten. Markus Zelt stand ja glücklicherweise von alleine. Bei dem Tunnelzelt war das schon schwieriger. Aber als angehende Ingenieure fanden wir schnell eine Lösung: Soweit es ging, wurde das Zelt in den Büschen abgespannt. Für den Rest wurden alle Spannbänder zusammengebunden, und am Zelt festgemacht. Dann wurde dieser Wurm unter das Iglu-Zelt hindurch an einem Verkehrsschild befestigt. Dadurch konnte auch das Iglu etwas gesichert werden.

Schließlich gab es dann auch Abendessen (Nudeln mit Bolonaise). Beim Kochen bemerkten wir, daß der Salzstreuer nicht so ganz dicht war… Im Gegensatz zu gestern gab es an diesem Abend zu wenig Spaghetti, und zu viel Soße. Wir zweifelten daran, ob wir Steffis bärigen Hunger stillen konnten.

Dann fuhren wir in die Stadt. Bergab. Das bedeutete für später wieder bergauf. Als wenn wir das heute nicht schon genug gehabt hätten! Wir landeten im Hafen. Mal wieder. Weiter ging es zum Strand. Für Markus als moralischen Aufheller, damit er auch jeden Tag sein Meer bekommt. Weiter auf die Mole um die kitschigen rot und grün leuchtenden Leuchttürme zu begutachten. Da wir den Wein vergessen hatten, zog es uns alsbald wieder den Berg hinauf zum Zeltplatz. Vorher mußte Steffi aber noch einen Crêpe essen – sie ist wohl doch nicht satt geworden.

Den Rest des Abends verbrachten wir träge von dem Zelt bei Wein und Keksen…

Pfingstmontag, 24. Mai

Sonne, Sonne, Sonne

Dieser Tag sollte ganz im Sinne von Markus werden. Spät aufstehen, spät frühstücken und dann ab an den Strand! Das Frühstück machten wir diesmal wieder selbst. Baguette mit Mutter- oder Tanten-Marmelade!

Dann fuhren wir runter in die Stadt: Karten kaufen. So ein 1:100 000 Maßstab ist da nicht so das wahre. Auch die Panoramakarte, die Markus und Daniel in Bandol gekauft hatten, da dort einige Campingplätze eingetragen waren, war nicht unbedingt hilfreich. Zumindest täuschte sie in Nord-Süd-Richtung viel zu kleine Wegstrecken vor. So etwas kann fatale Folgen haben…

Dann machten wir uns auf die Suche nach den Calanques. Unser Ziel war Port Pin. Unnötig zu sagen, daß wir dafür diverse Kilometer Berg auf und Berg ab fahren mußten. Es drängte sich der Verdacht auf, daß Cassis auch auf 7 Hügeln gebaut wurde…

Immerhin fanden wir sofort den richtigen Weg. Jedoch mußten wir die Räder auf halber Strecke stehenlassen. Marius wollte es dennoch mitnehmen, wurde aber unterwegs eines Besseren belehrt: der Weg hatte erst Treppenstufen, und führte dann mehr oder weniger steil an einer Felswand hinauf. 25 Minuten später waren wir endlich am Ziel! Was für ein Ausblick. Blaues Wasser. Ganz klar. Kiefern drum herum. Bei unserem Staunen verursachten wir einen kleinen Verkehrsstau. Aber der Blick lohnte!

Dann begann die leidvolle Suche nach einem Plätzchen für uns. Zwar war der 20 Meter breite Strand nicht übermäßig voll, doch trotzdem muß man nicht unbedingt in der ersten Reihe sitzen. Die Suche war nicht besonders einfach, da die hinteren Regionen leider als Toilette mißbraucht wurden. Aber wer suchet, der findet.

Markus und Nico gehen sofort schwimmen, Marius und Daniel machten eine kleine Kletterpartie an der Steilküste und Steffi bewachte unser Hab und Gut. Nico und Markus wurden von Einheimischen angesprochen, als sie ins Wasser stiegen. Leider haben sie nicht verstanden, daß es sich dabei um eine Warnung handelte. Und so machten Nico, Markus und Daniel die schmerzliche Bekanntschaft mit den zahlreichen meduses [medüüse].

Spätestens an dieser Stelle waren alle Marius dankbar dafür, daß er seine Taucherbrille, Schnorchel und Flossen mitgenommen hat. Damit kann man nämlich nicht nur den meduses ausweichen, sondern auch prima die wunderbare Unterwasserwelt beobachten: Jung Fischschwärme an der Oberfläche, ältere am Grund, einzelne skurrile Fische im Schlamm versteckt, Seeigel und natürlich viele elegante meduses… Um es kurz mit Marius Worten zu sagen: ‚Das normale Mittelmeer-Programm halt.‘

Den Rest des Tages verbrachten wir sehr abwechslungsreich: Sonnenbad, Essen, Sonnenbad, Spazierengehen, Sonnenbad, Umzug auf die Klippen, Sonnenbad, Pistazien essen, Sonnenbad und nicht zu Letzt Frisbee spielen.

Oder besser Scheiben schmeißen! Das endete dann in einer großen Lernstunde für Marius und Daniel von Meister Nico: Er hatte – im wahrsten Sinne des Wortes – den Bogen raus. Folgendes wurde in mühevoller Kleinarbeit erarbeitet: Die Scheibe beschreibt, wenn sie rotiert, eine Rechtskurve. Fliegt sie ohne Rotation, dafür aber nach rechts geneigt, so beschreibt sie ebenfalls eine Rechtskurve. Also muß man die Scheibe leicht nach links gekippt abwerfen! Natürlich kann man auch etwas weiter nach links zielen, das ist aber zu einfach. Außerdem stellten wir fest, daß der Müllcontainer scheinbar ein einflußreicher Attraktor sein muß: Auf jeden Fall zog es die Scheibe immer magisch dorthin.

Als schließlich keine Scheibe mehr ihr Ziel erreichte, ging es wieder zum Sonnenbaden. Vorher mußten wir allerdings noch einmal umziehen: Immer der Sonne hinterher.

In regelmäßigen Abständen war immer das drohende Näherkommen eines mehr oder weniger mächtigen Schiffsdiesels zu hören. Und dann bog auch schon das Ausflugsboot um die Ecke. Voll beladen mit Touristen, die sich die Calanque anschauen wollten. Das Boot fuhr bis maximal zur Hälfte in die Calanque hinein, drehte, und fuhr wieder hinaus zur nächsten Calanque. Das alles, ohne auch nur einen Augenblick ruhig für die Fotografen stehenzubleiben. Man kam sich auf den Steinen liegend etwas wie im Zoo vor; nicht zu Letzt, wie einige der Besucher auch freudig herübergewunken haben… Nun denn, immerhin können diese Leute von sich behaupten, sie hätten alle Calanques besichtigt – wenn auch jede für maximal 30 Sekunden!

Nachdem alle Reste vertilgt waren (Steffi hat kräftig mitgeholfen) folgte eine Urlaubsbesprechung, die auf demokratischen Wege ergab, daß aus dem Fahrradurlaub ein Urlaub mit Fahrrädern wurde.

Nachdem die Sonne untergegangen war (einen richtigen Sonnenauf- oder untergang würden wir aufgrund der Berge wohl nie sehen) zogen wir heimwärts. Vorher fügten wir unseren Müll noch dem Attraktor zu und begutachteten zwei andere…

Unnötig zu erwähnen, daß wir auf der Heimfahrt diverse Berge erklimmen mußten. Das hatten wir ja schon vorher geahnt. Hinzu kam noch, daß wir nicht gerade den direktesten Weg genommen haben. Auf dem Zeltplatz angekommen, erkannten wir diesen nicht wieder: Er war leer. Bis auf ein paar Rentner und Ausländer. Verhandlungen mit dem Hausmeister (der Platzwart war nicht mehr da) ergaben, daß wir uns auf einen beliebigen anderen Platz hinstellen durften. Gesagt getan. Die Zelte wurden einfach im ganzen umgestellt. Es stellte sich heraus, daß der Boden auch dort hart war. Aber nicht ganz so. Daher konnten wir nun unter Zuhilfenahme diverser großer Steine die Zelte perfekt abspannen! Eine Zeit lang kam man sich vor wie in einem Steinbruch!

Dann gab es endlich etwas zu Essen: Nudeln. Aber diesmal mit Tomatensoße und (ganz was besonderes) Pesto. Das Pesto war aber enttäuschend und nur gemischt mit der Tomatensoße genießbar. Nach dem Abwaschen folgte eine weitere unverbindliche Urlaubsbesprechung…

Der mit einem so idyllischen Namen titulierte Zeltplatz (Les Cigales – Die Grillen) entpuppte sich allerdings als gar nicht so schön: Von dem Augenblick an, an dem die Sonne über den Horizont blickte ging ein ohrenbetäubender Lärm los. Tausende von Tauben gurrten den ganzen Tag. Und kaum war die Sonne untergegangen, wurden die Tauben von einem Froschkonzert abgelöst!

Dienstag, 25. Mai

Die Sonne scheint immer noch

Wie auch gestern ließen wir den heutigen Tag ganz ruhig anfangen. Leider war das jedoch aufgrund des Taubenkonzerts schlecht möglich. Die Planung für den Tag ergab nichts konkretes: Markus und Nico fuhren gleich zur Calanque. Sie wollten die nächste in der Reihe ausprobieren: d’En Vau. Der Rest dagegen wollte vorher noch in die Stadt. Steffi mußte noch Postkarten kaufen. Außerdem stand noch etwas Sightseeing auf dem Programm. Man wollte sich später dort treffen.

Daher wurde als erstes die Touristeninformation aufgesucht. Wir wollten die prähistorischen Höhlenmalereien besichtigen. Da wir auf französisch nicht weiter kamen, versuchten wir es mit englisch. Auch mit mäßigem Erfolg. Immerhin fanden wir heraus, daß die Höhlen 40 Metern unter dem Meeresspiegel liegen und der Zugang verboten sei. Schade eigentlich. Was man denn noch so besichtigen könnte? Ja, man könnte die vielen Calanques besichtigen. Ahh ja, vielen Dank. Und tschüs.

Daß sie uns nicht die Burg empfohlen hat, hätte uns eigentlich stutzig machen müssen. Dennoch versuchten wir, auf eigene Faust den Berg zu erklimmen. Nachdem wir unterhalb der Burg ein Drehkreuz mit Überwachungsanlage passiert hatten, landeten wir schließlich in einer Sackgasse vor einem Privatgrundstück mit Tennisplatz und Pool. Die Burg ist wohl in Privatbesitz. Dann eben nicht.

Steffi ging Ansichtskarten kaufen. Da das erfahrungsgemäß länger dauert, gingen Marius und Daniel ein Eis essen. Da die Frau hinter der Theke nicht nur langsam war, sondern auch noch mehrere Kunden gleichzeitig bediente, kam Marius mir einem total zerlaufenen Eis bei Daniel an. Ein Drittel des Eises hatte war unterwegs heruntergetropft. Das zweite Drittel klebte an Marius‘ Hand und das letzte Drittel klebte am Wechselgeld…

Nachdem Steffi dann nun auch fertig war, brauchte sie auch etwas zu essen. Was süßes? Oder doch besser was salziges?? Da drängte sich ein Verdacht auf, der jedoch von allen Beteiligten vehement abgestritten wurde. Schließlich entschied sie sich für einen SPECIAL MARIUS. Wen wundert das… Mal so ein bißchen an Marius herumknabbern macht bestimmt Spaß. Auch Daniel durfte mal knabbern. War gar nicht übel J.

Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg. Es sollte ‚oben herum‘ gehen. Mit dem Rad die paar Serpentinen rauf und dann schön auf der Hochebene entlang. Schließlich die Räder an der Jugendherberge abstellen, da man auch hier den restlichen Weg zur Calanque zu Fuß kraxeln muß. Daniel sagte: ‚Dann können wir schön hier auf dem Kamm entlanggehen…‘ Darauf Marius trocken: ‚Das ist ein Tal!‘ So ist das, wenn man keine Karten lesen kann! Trotzdem sollte das kein Problem sein, nach der (Tor-)Tour von vorgestern.

Pustekuchen. Wenn beim Bergauffahren das Hinterrad durchdreht, dann ist es wohl doch zu steil! Also die Räder auf einem Viertel der Höhe abgestellt und zu Fuß weiter. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Durch die pralle Sonne, ohne jede Chance auf Schatten ging es durch herrliche mediterrane Landschaften. Die Jugendherberge lag mitten in der Pampa. Allein die nächste befahrene Straße lag 5 Kilometer weit weg. Von anderen Häusern ganz zu schweigen.

Nach einem langen Fußmarsch (Marius, ohne Socken, hatte sich in der Zwischenzeit eine Blase gelaufen, und Daniels Socken bekommen – Karo-Socken!) landeten wir an unserem ersten Etappenziel: Le Droit De Dieu [Der Finger Gottes]. Von dort aus hatte man eine unglaublich gute Sicht in die Calanque hinein. Nico und Markus waren allerdings nicht zu sehen… Praktischerweise hatte man am Finger Gottes auch eine Steinerne Bank mit einem Tisch gebaut.

Um die anderen nicht warten zu lassen, ging es schon nach kurzer Zeit weiter. Schließlich mußten wir noch rund 100 Höhenmeter wieder runter. Und das war gar nicht so leicht! Unsere diversen Irrwege führten uns vorbei an kleinen künstlichen Seen und Blumenfeldern, bis wir schließlich den eingezeichneten Wanderweg fanden. Den Ziegenweg, den wir zuerst fanden, wollten wir doch nicht nehmen, da er etwas unpraktisch mit Gepäck zu laufen war. Den Weg den wir dann eingeschlagen sind, führte dafür über ein langes Geröllfeld – ob das nun besser war? Aber runter kommen sie ja bekanntlich alle!

Am Strand angekommen, sahen wir nicht nur die üblichen Badegäste, sondern auch noch diverse Kletterer, die wie Fliegen an den Felswänden klebten. Nur Nico und Markus fanden wir nicht. Ja, gut, wir hatten doch etwas länger gebraucht, als erwartet, aber dann muß man doch nicht gleich abhauen…

Marius und Steffi wollten Baden gehen. Daniel bewachte die Sachen – er hatte seine Badehose Markus anvertraut! Aber gebadet haben die beiden dann doch nicht. War wohl etwas zu kalt.

Nach ein paar Fotos und einer kleinen Unterhaltung mit einem Jungen (12 Jahre), der auch später mal E-Technik studieren will, traten wir den Rückweg nach Port Pin an. Dazu hatte sich Marius bei einem älteren, braungebrannten Herren mit grauen Brusthaaren und einer Armani-Brille nach dem Weg erkundigt: Einfach hier links hoch und immer der Markierung nach.

Kein Problem. Zumindest zu Anfang nicht. Nur mäßige Steigung, fester Untergrund. Das änderte sich kurz darauf: Wir überquerten ein steiles Geröllfeld! Gott sei dank mußten wir ja nicht runter. Rauf war wesentlich einfacher. Etwa 4 Meter unter der Oberkante der Hochebene war dann Schluß. Eine senkrechte Wand beendete den Weg. Marius versuchte sein Glück, kam jedoch auch nur bis zur Hälfte und mußte anschließend wieder heruntergelotst werden. Da fiel Daniel ein, daß die Markierungen, von denen der Alte gesprochen hatte, auch weiter hinten waren…

Und dann begann das, was keiner für möglich gehalten hatte: wir mußten wieder runter! Was für eine Rutschpartie. Beim zweiten Aufstieg waren wir uns dann auch sicher, richtig zu sein: Wir waren nicht alleine! Es war in so fern einfacher, als daß es keine Geröllfelder gab. Aber sonst war der Weg, der übrigens als Wanderweg ausgewiesen ist, nicht ohne! Es wurde eine wirklich anspruchsvolle Kletterpartie mit herrlichen Ausblicken! Jedoch mußte Marius direkt hinter Steffi hochklettern – sie hatte einen Rock an.

Schließlich landeten wir dann oben am Finger Gottes! Wenn das kein Zeichen ist. Den Weg nach Port Pin legten wir im Eilgang zurück. Denn das Grummeln, was man im Hintergrund hörte, war kein Gewitter, sondern unsere Mägen. Markus hatte das Mittagessen eingesteckt!

Als sich alle endlich gefunden hatten, stöhnten Nico und Markus, wie anstrengend doch so ein Sonnenbad sei! Das Essen, das die beiden übriggelassen haben, schmeckte großartig. Man kann sich an dieses mediterrane Essen gewöhnen: Es gab, wie jeden Tag, Baguette, Käse und Rotwein! Nach dem Essen (vorher waren die Drei nicht aufnahmefähig) wurde erst einmal geklärt, warum keiner die Drei in d’En Vau mit einem Essen empfangen hatte: Nico und Markus haben den Weg nach unten nicht gefunden!

Nachdem wir noch ausgiebig in der Sonne gebadet und Quallen beobachtet haben, ging es wieder heimwärts. Steffi, Marius und Daniel mußten nur noch die Räder holen, und dann ab zum Campingplatz, duschen. An diesem Abend gab es eine Innovation: Chili. Allerdings mit Reis. Der hätte sich während des Kochens 2 Mal fast verabschiedet. Die Griffzange hielt dem guten Essen wohl nicht stand. Nico trauerte schon, daß Daniel, der die Gewürze besorgt hatte, kein Chili-Pulver mitgenommen hatte. Marius war ihm dafür dankbar: Nach dem ersten Bissen schrie er auf! Heiß? Nein, scharf! Das mußte erst mal mit einer Tasse Wein gelöscht werden! Schhhhhhhhhh. Unnötig zu sagen, daß Steffi schon seit kurz nach dem Mittagessen wieder Hunger hatte.

Der Rest des Abends blubberte so an uns vorbei: Von den Nachbarn lärmte der Fernseher. Keiner hatte Lust, etwas zu spielen. Marius toastet Weißbrot über dem Northern Light. Steffi bekommt eine Fußmassage, Marius ein Käsebrot. Die Frösche quaken…

Mittwoch, 26. Mai

Rate mal, wer vom Himmel lacht

Mit dem späten Aufstehen ist das immer so eine Sache, wenn schon morgens der Fernseher vom Nachbarn plärrt! Warum fahren solche Leute eigentlich weg? Jeden Morgen um 9.30 Uhr das selbe Spiel: la la lala… Offensichtlich die Erkennungsmelodie einer Seifenoper…

Als erster TOP stand Schuhe für Steffi kaufen auf dem Programm. Und alle sollten mitkommen. Die Wanderung vom Vortag hat den alten Leinenschuhen den Rest gegeben. Der zweite TOP betraf das Abendessen. Nach Nicos Vorschlag sollte es das Abendessen am Finger Gottes geben! Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen.

Downtown. Es war ja klar, daß Steffi im ersten Geschäft nicht sofort fündig wurde. Aber auch das zweite Geschäft war eine Fehlanzeige. Markus, Nico und Daniel gingen einen Capuchino trinken. Das würde wohl noch länger dauern. Die Idylle in dem Café schien etwas getrübt zu werden. Ein Bauarbeiter holte einen Preßlufthammer heraus. Er würde doch nicht etwa…? Es kam, was kommen mußte.

Schließlich ist Steffi doch noch fündig geworden. Echte französische Schuhe! Was für ein Luxus! Marius auch. Eine neue Uhr! Aber sie paßte dann wohl doch nicht so ganz…

Während der Rest das Dinner einkaufen geht, fährt Daniel ein wenig Rad. Man muß ja auch etwas für sein Geld bekommen… Der Weg führte nach Marseille. Es ging zu erst 5 Kilometer mit und ohne Serpentinen bergauf. Danach etwa 10 Kilometer mehr oder weniger waagerecht am Berg entlang und an einer Kaserne vorbei (Tag der offenen Tür am 06. Juni). Und am Ende ging es dann wieder 5 Kilometer bergab.

Marseille ist groß. Und häßlich. Und gefährlich für Radfahrer. Der Weg in die Innenstadt führte über eine alte rostige Brücke: Die Ägi-Hochstraße, wie sie in 20 Jahren aussehen wird!

Das Sightseeing beschränkte sich dann auch nur auf die Obelisk und das Stadion. Dann ging es wieder zurück. Diesmal unter der Hochstraße entlang, wegen der Sicherheit. In einem Fahrschuhlwagen war dann folgendes Schild angebracht: ‚Wo es keine Kontrollen gibt, da gibt es auch keine Verbote!‘ Das erklärt zumindest den französischen Fahrstil!

Wieder in der Calanque angekommen wurde viel rumgedödelt, geschnorchelt und Postkarten geschrieben. Beim Schwimmen wurde dann der Spruch geprägt: ‚Marius, les meduses!‘ Kein wunder, denn er war nur sehr schwer wieder aus dem Wasser herauszubekommen. Ständig mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen auf Unterwasserbeobachtungen!

Gegen 18 Uhr sind wir schließlich zum Finger Gottes gefahren. Beim Sachen packen passierte Markus etwas, was Daniel sehr bekannt vorkam: Es machte einmal brrrzzzttt und schon war die Naht der Satteltasche geplatzt! So ist das, wenn man mit Low-tech-Material unterwegs ist J. Glücklicherweise hatte Daniel aber noch das gute Tesaband mit, das er am Vormittag vor der Abfahrt noch schnell für teures Geld gekauft hat.

Am Finger Gottes angekommen begann dann das hemmungslose Schlemmen!!! Es sei an dieser Stelle nur einmal der Käse in Lorbeerblättern erwähnt! Und natürlich die Flasche Wein, die Nico gestiftet hat. Allerdings ist beim Brottransport von Markus zu Daniel doch scheinbar etwas schief gelaufen…

Diverse Promille später begann dann wieder der Heimweg. In Port Pin angekommen wird noch kurz debattiert, ob man denn nun noch mal baden sollte, oder nicht. Die Idee kam von Markus und war eigentlich nur als Scherz gedacht. Marius und Markus entschieden sich schließlich auf Drängen einer einzelnen Person für ‚ja‘. Also zu dritt ab ins schattige Wasser (es war schon nach 21 Uhr), drei mal geplanscht und wieder raus. Beobachtet wurde dieses Treiben von Steffi und Nico, die für diese Aktion nicht viel Verständnis aufbringen konnten.

Nach dem Duschen dann die Sensation: Markus hat Hunger, Steffi jedoch ist satt!!! Es folgte ein Trauriges Thema: Die Rückfahrt mußte erläutert werden. Wir entschieden uns, die 50 Kilometer an einem Tag zu fahren. Ein gewagtes Unternehmen! Zumal wir für die Strecke auf der Hinfahrt immerhin 2 Tage gebraucht haben! Diesmal jedoch wollten wie Cap Canaille weiträumig umfahren und eine nicht ganz so steile Strecke nehmen. Zu beachten war außerdem noch, daß Daniels Fahrrad wieder umgetauscht werden mußte.

An diesem Abend entdeckten wir übrigens, daß es auch warmes Wasser zum Abwaschen gab! Wir praktisch, so kurz vor der Abfahrt.

Ein anderes Thema aus der Tierwelt (außer Tauben und Frösche) gab es dann aber doch: Am zweiten Abend war über längere Zeit ein regelmäßiges Piepen zu hören. Ähnlich dem eines Peilsenders. Dann war es plötzlich verschwunden, und kam kurz darauf kam es aus der entgegengesetzten Richtung. Diesmal jedoch sehr viel schwächer. Auch an diesem Abend war es wieder zu hören. Eine genaue Frequenzanalyse des Signals ergab jedoch eine leichte Unregelmäßigkeit in der Periodendauer. Nach langen Diskussionen wurde schließlich die Theorie des Peilsender-Tierchens entwickelt, die alle auftretenden Phänomene erklärt!

Der Abend endete dann mit ein paar Schattenspielen von Steffi und Marius…

Donnerstag, 27. Mai

Unnötig zu erwähnen, daß die Sonne schien

Dies sollte der letzte Tag in Cassis werden. Trotzdem wurde ausgeschlafen. Nach dem Frühstück und nach der Seifenoper (erkennbar an dieser wundervollen Melodie) kam der Besitzer des Fernsehens zu uns herüber. Er erstattete Bericht vom gestrigen Fußballabend. Championsleague. Bayern München gegen Manchester United. Wie gut doch die Deutschen gespielt hätten, und so weiter und so fort. Daß sie verloren haben, haben wir wohl nicht verstanden. War aber auch nicht schlimm.

Die Planung für diesen Tag sah folgendes vor: Steffi und Marius wollten noch einmal shoppen gehen, während der Rest die notwendigen Lebensmittel kaufen wollte. Treffen war dann an bei Port Pin. Außerdem wollte Marius mindestens 3 Mal schnorcheln gehen und Nico eine etwas größere Wanderung machen: Der blaue Weg. (Zu dem Zeitpunkt, als die Rohfassung dieses Berichtes entstand, war mal wieder ein nervendes Taubenkonzert! Markus bat um Aufnahme dieser Tatsache. Ist hiermit geschehen!)

Es war heute etwas frischer! Das muß wohl an dem Mistral liegen, den der Fernsehbesitzer schon seit Anfang der Woche verflucht! Wir haben von den verminderten Temperaturen bisher nichts gemerkt: Immer schätzungsweise 25°C – 30°C. Als Nordeuropäer bezeichnet man das ja nicht unbedingt als kalt…

Schließlich fanden sich alle in der Calanque wieder. Steffi, Marius und Daniel wollten mit Nico auf Wanderschaft gehen. Also mußte Markus wohl notgedrungen auf das Gepäck aufpassen. Und das auch noch in der Sonne so direkt am Wasser. Aber er hat sein Schicksal mit Fassung ertragen.

Geplant war erst nach d’En Vau zu gehen und dann die nächste kleine Bucht anzusteuern. Nach d’En Vau war kein Problem. Den Weg kannten wir ja schon. Nur das wir dieses Mal, da ohne Gepäck, den Ziegenpfad für den Abstieg wählten. War aber im Endeffekt auch nicht viel schlimmer, als das Geröllfeld… Weiter ging es dann durch DAS Tal. Ein einfach beeindruckender Weg. Man könnte auf ihm stundenlang lustwandeln. Kurz vor dem Strand sollte dann der blaue Weg abzweigen, den wir nehmen mußten.

Mitten in der Schlucht, umgeben von über 100 Meter hohen, steilen Felswänden, war der blaue Strich auf einen Stein gemalt: Er knickte einfach nach rechts ab! Der erste Eindruck war: Nein, da hat sich jemand einen Scherz erlaubt, das ist nicht der richtige Weg. Der zweite: Wenn man genau hinschaut, dann kann man mit viel gutem Willen doch einen Weg erkennen… Nun denn, also rauf.

Was in Frankreich als ganz normaler Wanderweg ausgezeichnet ist, ist für deutsche Verhältnisse eine Bergsteigertour! Scheinbar hat sich einer unserer Vorgänger auf diesem Weg aufgrund der waghalsigen Kletterpartie in die Hose gemacht… Zumindest lag das Ergebnis mitten auf dem Weg (Ein Wunder, daß es bei dem Gefälle nicht herunter gerutscht ist. Aber vielleicht kam es ja auch von weiter oben…).

Oben angekommen mußte erst einmal eine Verschnaufpause eingelegt werden, bevor wir die schöne Aussicht genießen konnten. Glücklicherweise hatte sich der Himmel leicht bezogen, so daß wir nicht ganz in der Sonne laufen mußten. Wir wären mit Sicherheit einfach zerflossen!

Wir entdeckten oben auch ein Hinweisschild, das auf den Weg wies, den wir gerade gekommen waren: DANGER! Nun denn, so viel dazu.

Es ging weiter. Die nächste Calanque wartete. Auf halbem Weg besichtigten wir eine kleine Grotte. Nur Marius nicht. Der ist daran vorbeigelaufen, weil er es so eilig hatte (Warum nur?). Sie war nicht groß, nicht hübsch und nicht bewohnt. Sie war einfach nur da. Also wurde nur ein Foto gemacht und dann ging es weiter.

Marius kam uns dann auch entgegen und sagte etwas von ‚Weg zu Ende‘. Ungläubig, wie der Rest war, mußte das natürlich nachgeprüft werden. So ganz unrecht hatte Marius nicht gehabt, aber etwas weiter sind wir dann doch gekommen. Doch dann war wirklich Schluß. Das war wohl nicht die gesuchte Calanque. Aber schön war es trotzdem!

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der leeren Mägen, entschieden wir uns für den Rückzug: Der grüne Weg bis nach d’En Vau und dann den schwarzen, den Steffi, Marius uns Daniel schon vorher ausprobiert hatten.

Der grüne Weg war keine Herausforderung. Deutscher Standardwanderweg. Den schwarzen dagegen hatten wir zu schätzen gelernt: Harte Felsen, viele Griffmulden, teilweise eingemeißelte Stufen. Von abermillionen Händen rundgeschliffene Kanten. Und nicht zu vergessen die super Aussicht auf diversen Zwischenhöhen.

Kurz vor Port Pin teilt sich dann die Gruppe: Steffi und Nico nehmen den herkömmlichen Weg, während Marius und Daniel den direkten Weg querfeldein einschlugen. Das Ergebnis war: Kurz ist nicht immer schnell! Beide Paare waren gleichzeitig da und weckten Markus auf! Dieser stöhnte, wie anstrengend es doch in der Sonne war! Und er mußte alle Sachen in Sicherheit bringen, da es geregnet (???) hatte!

Nico und Daniel waren für eine schnelle Abkühlung, und sprangen (!!!) gleich ins Wasser. Marius und Steffi dagegen haben erste etwas gegessen (wen wundert’s?). Das Wasser war sooo kalt. Aber guuut! Die letzte Chance, jemanden mit einer Taucherbrille auf zu fotografieren, wurde an diesem Abend vertan. Die beiden aus der Kestnerstraße waren die letzten.

Schließlich hieß es dann Sachen packen und sich von der Calanque verabschieden. Ein letzter Blick zurück auf diese wunderbare Bucht und dann weg; auch wenn es weh tut.

Wieder am Campingplatz angekommen machten sich alle ‚fein‘. Der Grund: An diesem letzten Abend wollten wir essen gehen. (Wahrscheinlich deshalb, weil wir am gestrigen Abend gemerkt haben, wie gut man an einem Tisch sitzt!)

Es folgte ein leckeres Essen! Allerdings sollte man manchen Dingen ihre Vergänglichkeit zugestehen…

Danach führte uns der Weg wieder an die Mole – genau wie am ersten Abend. Und genau wie am ersten Abend hatten wir wieder keinen Wein mit. In der Ferne war ein einsamer Trommler zu hören (Grüße von Latscho Martin!).

Der Abend endete mit einem letzten Rotwein-Umtrunk auf dem Campingplatz…

Freitag, 28. Mai

Ein letztes Mal scheint die Sonne für uns über Cassis

Heute sind wir mal etwas ‚früher‘ aufgestanden. Wie ungewohnt! Aber wir hatten ja schließlich noch viel vor. Nach dem Frühstück wurde erst einmal das gesamte Geld zusammengekratzt, und dann mit einer Abordnung zum Bezahlen geschickt! Der Campingplatz erwies sich teurer, als erwartet! Vielleicht lag das auch an der etwas unübersichtlichen Preistabelle am Eingang…

Die Zelte wurden ein letztes Mal abgebaut, die Taschen ein letztes mal gepackt – komisch, zu Hause hat alles viel besser gepaßt! Und dann ging es los. Wie üblich herrschte am Anfang (und nicht nur am Anfang) eine gewisse Planlosigkeit. Begründet war sie dadurch, daß sich keiner bereit erklärte, mal einen Blick in die Karte zu werfen. Markus, der sich schon seit Anfang an vehement geweigert hatte, auch nur einen Blick in die Karte zu werfen, blieb hart: ‚Ich kann ohnehin keine Karten lesen!‘ Jedoch setzte sich der Konvoi schließlich doch in Bewegung. Danke Marius! Zu seiner Erleichterung wurde er allerdings zeitweise beim Routenplanen von einigen anderen unterstützt. Immerhin hatte es so einen großen Vorteil für die, die nicht in die Karte geschaut haben: Sie konnten Marius die Schuld für etwaige Umwege in die Schuhe schieben.

Der Weg führte zunächst über steile Serpentinen bergab. Es wurden Bedenken hinsichtlich der Korrektheit angemeldet. Diese erwiesen sich jedoch nach eingehender Prüfung der Karte als unbegründet. Und dann kam, was alle befürchtet haben, und Markus ganz besonders: Es ging wieder bergauf! Ohne Serpentinen!! Oben angekommen (und gerade erst einmal losgefahren) waren alle schon wieder fix und fertig. Aber dafür ging es dann ganz smooth weiter nach La Ciotat. Wir stellten fest, daß man auch ohne 30%ige Steigung von Cassis nach La Ciotat kommen kann! Die diesmal gewählte Straße hatte maximal 1% Steigung. Das stellte für uns bergerfahrene Radler nun kein Problem mehr dar! Aber die andere Strecke war natürlich sehr viel reizvoller – in JEDER Hinsicht!

In La Ciotat machten wir Pause. Ausschließlich für Markus! An einem fast leeren Sandstrand!! Für Markus, Marius und Daniel gab es kein Halten mehr! Es ging ab ins Wasser. Das Wasser war warm. Ungewohnt. Mindestens 18°C. Und trotz des Sandstrandes war auch hier das Wasser glasklar! Und noch eine Innovation: Es gab keine meduses!!! Dann machten wir Mittag. Unter Palmen!

Die Trennung von diesem sonst recht schönen Strand wurde uns etwas erleichtert, durch einen rostigen Öltanker, der nicht unweit der Küste vor Anker lag. Es ging weiter nach St. Cyr Sur Mer. Wir mußten dort wieder einen Stop einlegen, sonst würden wir viel zu früh in Toulon sein. Und unser Zug fuhr erst um 23.00 Uhr. Kein Mensch weiß, warum wir für die Hinfahrt so lange gebraucht haben!

Es ging immer auf der D559 weiter. Im Gegensatz zur Hinfahrt war es diesmal wesentlich friedlicher. Es waren kaum Motorradfahrer unterwegs, und auch die Autos benahmen sich halbwegs gesittet. Es kam Bandol. Und dann Sanary Sur Mer. Um unsere ungeheure Geschwindigkeit auszugleichen, mußten wir in Sanary erneut pausieren. Steffi und Marius nutzten dies um noch einmal bummeln zu gehen. Der Rest setzte sich in eine klimatisierte Bar, um noch einmal einen letzten Café au Lait zu schlürfen. Daniel mußte allerdings aus der Rolle fallen: Er bestellte einen Eiskaffee. Das Ergebnis war dann schließlich eine Kugel Kaffee-Eis. Und ein Glas Wasser! Ja, so ist das, wenn man sich mit der Sprache nicht auskennt!

Der nächste Ort war Six Fours Les Palges. Auch hier war wieder ein Zwischenstop erforderlich, da Daniel sein Fahrrad zurückgeben mußte. Nach mittlerer Zugriffszeit war dann der Laden auch gefunden. Die Verkäuferin erkannte uns schon wieder. Wo wir denn gewesen wären. Und ob es schön gewesen wäre. Wir geben im Rahmen unseres Sprachvermögens bereitwillig Auskunft. Als nächstes folgte die mit großem Bangen erwartete Fahrradkontrolle, denn im Laufe der Kilometer erlitt eine der drei Schutzblechhalterungen einen Dauerschwingungsbruch! Der Kontrolleur begutachtete das Rad kurz aus 5 Meter Entfernung im Vorbeigehen, ging dann hin, hob es hoch und ließ es wieder fallen. Es schepperte laut! Er sagte zur Verkäuferin: Alles in Ordnung! Ahh ja! Nach Abschuß aller Formalitäten bekam Daniel auch sein altes Rad wieder – nicht repariert!

Als nächstes mußte mal wieder das leidige Wasserproblem gelöst werden… Da bot sich wieder das schon bekannte Fleischergeschäft an! Es folgte wieder eine kleine Plauderei (im Rahmen unserer Möglichkeiten) mit der Inhaberin. Das Gespräch war etwas einseitig, aber sehr herzlich!

Es ging weiter zum Supermarkt. Das Abendessen und die Nachtverpflegung wurden besorgt. Schließlich hatte Daniel jetzt wieder einen Haufen Geld! Der Zeitpunkt für das Abendessen näherte sich. Doch erneut tat sich dieses verflixte Wasserproblem auf. Kein Wunder, bei der Hitze! Durch das Wasserproblem war auch das Abendessen gefährdet: Ohne Wasser keine Spaghetti! Erkannt wurde das Problem von Marius und Daniel. Doch die fuhren hinten, so daß eine gezielte Steuerung des Konvois nicht möglich war. Also einfach anhalten, der Rest würde es schon merken. Und wo gibt es Wasser? In einer Autowaschanlage!

In La Seyne Sur Mer fuhren wir zum Hafen, um ein letztes Mal die Kocher zu benutzen. Wir fanden eine kleine gemauerte Aussichtsplattform, auf der wir uns häuslich niederlassen wollten. Leider war sie durch zwei Mädels besetzt. Aber stur, wie deutsche Touristen nun mal sind, haben wir uns trotzdem dort niedergelassen und alles aufgebaut. Zum großen Erstaunen der beiden Zuschauerinnen.

An diesem, letzten Abend kam dann die große Sensation: Marius Kocher war zum ersten Mal als erstes mit dem Kochen fertig! Er konnte die Vorteile des Windschutzes jetzt gezielt ausspielen! Da nützte auch die schwarze Lackierung von Nicos Topf nichts, die sonst die Hitze einfach aufgesaugt hatte. Es war einfach zu windig!

Unnötig zu erwähnen, daß es an diesem Abend wieder Nudeln gab. Diesmal wieder mit Bolonaise. Das Abwaschen allerdings wurde zum Problem. Der Kiesstrand hielt nämlich nicht, was er versprach: Es war kein Kies, sondern tonnenweise angestrandete Algen! Außerdem gab es hier wieder diverse meduses! Doch Markus erbarmte sich, und erledigte den Abwasch! Nach gut einer Stunde fuhren wir wieder los! Was die Mädels wohl bei dieser Blitzaktion gedacht haben???

Schließlich erreichten wir Toulon. Dann begann die Suche nach dem Bahnhof. Den fanden wir auch. Bloß erwischten wir nicht den Hauptbahnhof, sondern den von einem kleinen Vorort. Also weitersuchen. Nachdem wir auf einer vierspurigen Hauptstraße von ganz rechts nach ganz links gewechselt haben, wurden wir schließlich fündig. Mit einem Zeitpolster von gut 90 Minuten.

Als nächstes galt es zu klären, auf welchem Gleis der Zug abfahren würde. Auf zur Information. Kurz bevor wir den Schalter erreicht haben, verschwanden die beiden Damen plötzlich. Statt dessen betrat eine Putzfrau die Information, und begann ihre Tätigkeit. Nun denn, also auf eigene Faust.

Nachdem auch das geklärt war, zogen wir uns vom Bahnhofstrubel zurück in eine schattenspendende Allee mit Bänken. Zwar war die Sonne schon längst untergegangen, aber trotzdem… Zum letzten Mal an diesem Abend stellte sich die Frage: Wo bekommen wir denn jetzt Wasser her??? Außerdem brauchten wir noch etwas Weißbrot für den Abend bzw. für das Frühstück. Der erste Trupp, bestehend aus Steffi, Marius und Daniel wurde trotz längerer Suche nicht fündig. Auch in Frankreich schließen die Geschäfte irgendwann. Also wurde der Rest losgeschickt…

Drei Leute auf einer dunklen Parkbank scheinen offensichtlich einen gewissen Einruck zu vermitteln. So kam es, daß uns von zwei Einheimischen etwas Shit angeboten wurde, was wir allerdings dankend ablehnten. Statt dessen nahmen wir lieber die warmen Käsebaguettes, die Markus und Nico erstanden hatten. Und es gab auch wieder Wasser! Nun sind drei Baguette für fünf Personen ein etwas ‚unrundes‘ Verhältnis. So kam es, daß jeder von jedem abgebissen hat!

Gestärkt ging es dann die letzten Meter zum Bahnhof. Als wir den Zug entern wollten, und schon beim Einladen der Räder in das bekannte Gepäckabteil waren, kam der Schaffner auf uns zu. Er war der Meinung, daß dieser Zug keine Fahrräder mitnehmen würde. Jedoch ließ er sich mit der Reservierung für die Räder für diesen Zug beruhigen, so daß wir unsere Arbeit vollenden konnten. Es folgten ein paar gemütliche Stunden bei Pistazien und Wein im Gepäckabteil, wo wir dann auch einschliefen…

Zwischendurch stiegen dann auch noch 6 deutsche Radwanderer aus Süddeutschland ein. Es wurde kurzfristig etwas eng im Gepäckabteil, aber die Truppe verschwand dann auf ihre Liegeplätze im anderen Waggon.

Gegen 1.00 Uhr morgens kam dann der Schaffner! Ein anderer. Und dann noch einer! Einer sagte uns dann, daß dieser Zug keine Räder mitnehmen würde. Auf die vorgezeigte Reservierung brach dann eine wilde Diskussion zwischen den Schaffnern aus. Sie würden das klären. Bis gleich. Weg waren sie. Unsere Fahrkarte und Reservierung auch! Später kamen sie zurück. Nein, dieser Zug würde wirklich keine Räder mitnehmen, und die französische Bahn hätte auf der Reservierung auch nicht abgestempelt! Außerdem wäre dies nicht der Zug, der auf dem Ticket steht! Das macht dann bitte 70 DM für jedes Fahrrad und 10 DM pro Person für die etwas längere Strecke. Zahlbar sofort in Franc, DM oder Eurocheck. Bums! Mal so eben 400 DM auf den Tisch legen! Und das im Zug um 3.00 Uhr morgens nach stundenlangen Debatten mit den Schaffnern! Und eigentlich, so fügte einer der Schaffner noch hinzu, müßten wir ja noch etwas dafür bezahlen, daß wir hier kostbaren Platz im Gepäckabteil verbrauchen. Aber, man ist ja kein Unmensch… Vielen Dank!!!

Glücklicherweise hatte Markus noch einen Euroschreck dabei. Wir zahlten, da man als Fahrgast grundsätzlich gegenüber dem Schaffner am kürzeren Hebel sitzt; noch dazu im Ausland, wenn man der Sprache nicht besonders gut mächtig ist. Der Schaffner war befriedigt, woraufhin er uns unsere Unterlagen wieder aushändigte. Er empfahl uns, uns das Geld von der deutschen Bahn wiederzuholen. Diese ganze Geschichte dauerte aufgrund der Sprachschwierigkeiten weit über 2 Stunden!

Ach ja, ob wir denn den beiden Schaffnern bei der Suche und Identifikation der anderen Radwandergruppe behilflich sein können? Wir lehnten mit Entschiedenheit ab! Und dann ging endlich wieder die Tür des Gepäckabteils zu und die Nachtruhe konnte weitergehen.

Pustekuchen! Exakt eine Viertelstunde später ging die Tür wieder auf. Was wollten die Schaffner denn nun schon wieder??? Daniel wurde gefragt, ob er nicht etwas übersetzten könnte? Die andere Gruppe war gefunden worden. Es war in der Zwischenzeit fast 4.00 Uhr. Da fragt man sich doch, warum fahren die nach Frankreich, wenn sie nicht wenigstens etwas französisch sprechen können? Da Daniel nach diesen Turbulenzen ohnehin nicht mehr schlafen konnte, erklärte er sich bereit, für seine ‚Kollegen‘ zu übersetzen – nicht den Schaffnern zu liebe!

Die Konversation begann sehr emotionsgeladen! Nach der Beruhigung einiger Mitglieder der süddeutschen Reisegruppe war das Problem schnell erklärt: 70 DM pro Fahrrad auch von der anderen Gruppe! Die angebotene Visacard wurde zurückgewiesen. Nur Bares bitte. Hatten sie nicht. Dann, so einer der Schaffner, müßten sie wohl am nächsten Bahnhof aussteigen! Welch eine Freude, so etwas zu übersetzten! Schließlich wurden die letzen DM-Vorräte zusammengekratzt…

Wieviel ist denn das eigentlich in DM? Der Schaffner beginnt zu rechnen: Er nimmt einen beliebigen DM-Betrag, und rechnet ihn durch Multiplikation mit dem Wechselkurs in Franc um. Das Ergebnis ist zu wenig. Noch mal mit einem größeren Betrag. Nach dem dritten Iterationsschritt war das Ergebnis endlich größer, als der zu zahlende Betrag. Zweiter Rechnungsschritt: Von dem Umgerechneten DM-Betrag wird die zu zahlende Gebühr abgezogen. Das ist dann das Wechselgeld! Ahh ja. Da kann wohl jemand keine schriftliche Division! Als er den Betrag für seine Notizen dann in Euro umrechnet, zieht er einen Taschenrechner aus der Jackentasche…

Die Rechnung der anderen wurde beglichen. Der Schaffner hatte jedoch kein Wechselgeld! Auch das noch! Er verschwand für kurze Zeit. So gegen 5.30 Uhr war dann auch dieses Kapitel abgeschlossen…

Da es mittlerweile schon dämmerte, unterhielt sich Daniel noch lange Zeit mit der ‚Chefin‘ der anderen Gruppe. Gemeinsam betrachtete man den Sonnenaufgang über französische Felder mit dichtem Morgennebel… Was für ein schönes Bild, wenn nicht einer dieser Schaffner vorbeikam, stehenblieb und etwas von neuen Freundschaften faseln würde! Nach Austausch der E-Mail Adressen zwecks Information über das Ende der Reise und den Erfolg der Bemühungen der Reklamation bei der Bahn wurde der Rest der Reisegruppe Becker aus den Federn geworfen. Es war auch schon 8.00 Uhr!

Samstag, 29. Mai

Leicht bewölkter Himmel. Angenehm warm

Endlich im Metz! Bloß raus aus diesem Chaoszug! Es geht weiter nach Straßburg. Allerdings nur mit einer sehr kleinen Bimmelbahn mit Diesellok. Da die anderen auch mitfahren wollten, war das Gepäckabteil schon mit 10 Rädern voll. Eins fehlte noch. Doch der Schaffner meinte, wir sollten das Rad lieber noch mit zwei weiteren zwischen den beiden Waggons mitnehmen. Der Zugführer muß ja im Notfall aus dem Führerhäuschen fliehen können! Gesagt getan.

In Straßburg sollten wir dann 5 Minuten Umsteigezeit haben. Wir hatten allerdings schon 4 Minuten Verspätung! Ob denn der Schaffner wenigstens herausfinden könnte, auf welches Gleis wir müßten? Klar. Der Versuch, sich mit seinem Handy in das deutsche Fahrplanauskunftsystem einzuloggen schlug allerdings fehl! Also doch das Kursbuch raus.

Am Bahnhof angekommen, lief Daniel los, um den Anschlußzug aufzuhalten. Der Schaffner erklärte sich allerdings nicht bereit, zu warten. Also wurde so lange debattiert, bis der Rest mit den Rädern am Bahnsteig eintraf! Geschafft! Endlich verschnaufen.

Obwohl es nur ein Regionalexpreß war, war der Zug dennoch mit Fernsehern ausgestattet. Die waren leider nicht in Betrieb. War auch unnötig, denn im Abteil saß ein Saarländer, und der hatte ein recht lautes Organ, welches er auch ausgiebig zu Gehör stellte!

Für diesen Zug hatten wir keine Radreservierung. Brauchten wir auch nicht, denn er war leer. Aber schon nach der zweiten Station war er voll. Richtig voll! Mit lauter FCK-Fans. Das hat man nun vom Wochenendticket! Im Zug war mächtig was los. An Ausruhen von der anstrengenden Nacht nicht zu denken.

Nach 90 Minuten wollten wir in Mainz aussteigen. Bloß die anderen nicht. Und die Räder??? Mit der Aussicht, nach unserem Ausstieg sehr viel mehr Platz zu haben, waren alle bereit, die unzähligen Gepäckstücke rauszutragen. Wir mußten in Mainz lediglich diverse neue Fahrgäste am Einsteigen hindern (sprich rückwärts aus dem Zug herausziehen) während wir noch am Ausladen waren!

Trotz der 7 Minuten Verspätung hatten wir am Chaosbahnhof Mainz immer noch 15 Minuten Zeit zum Umsteigen. Es folgte ein letzter Bahnsteigwechsel. Es stellte sich heraus, daß wir nicht die einzigen mit Rädern waren. Ein scheinbar netter Herr machte uns darauf aufmerksam, daß wir daher besser die Taschen abnehmen sollten. Der Zug kam an. Als erstes stieg ein Fotograf auf dem Fahrradabteil aus und fotografierte alles und jeden beim Ein- und Aussteigen! Und andere beschweren sich, wenn man mal ein Foto macht…

Unsere reservierten Plätze waren teilweise doppelt vergeben worden. Es wunderte an dieser Stelle keinen mehr. Aber es war ja genug Platz. Dann kam wieder der Fotograf. Guten Tag, er mache eine Reportage Bahn & Rad, um der Bevölkerung den Radservice der Bahn näher zu bringen. Ob wir ihm nachher einen kleinen Gefallen tun könnten? Wir wiesen ihn darauf hin, daß er sein Vorhaben besser lassen sollte und statt dessen etwas an der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Bahn arbeiten sollte. Er wollte nur die beiden Plätze am Gang einen Augenblick für ein paar Fotos haben. Zu kaputt, um zu widersprechen, sagten wir zu.

Und dann ging es los: ‚Ob sie eventuell ihren Kopf etwas zur Seite… Er ist sonst im…‘ – ‚Und schön in die Kamera…‘ – ‚Nicht verspannen. Schauen sie ganz natürlich!‘ – ‚Noch zwei Fotos.‘ 1000 Fotos später zog er endlich wieder ab…

Dafür begann jetzt dieser nette Herr von vorhin zu nerven. Kein Thema, was er während der Fahrt nicht angeschnitten hat! Und immer wieder dieses Aufregen, wenn andere Leute ihre Räder in das Abteil trugen! ‚Der macht das vollkommen falsch! So geht das nicht! Das kippt um! Der braucht zu viel Platz!’…

Aber auch diese letzte Etappe ging zu Ende. Hannover. Sollte der Urlaub jetzt wirklich zu Ende sein??? Nein, das geht nicht! Nicht so einfach und abrupt! Also auf zur nächsten Eisdiele! Und dann bekam Daniel endlich nach fast unendlich langer Wartezeit doch noch seinen Eiskaffe! Was für ein Genuß! Die Idylle wurde diesmal nicht durch einen Preßlufthammer gestört, sondern durch zwei spanische Wanderer, die sich ihr Ticket durch Straßengesang verdienten. Es ertönte: ‚Aguanta la mea‘! Prinzipiell ist dagegen ja nichts einzuwenden, wenn nur diese unglaubliche Lautstärke nicht gewesen wäre…

Eine Sache hatten wir scheinbar aus Cassis doch mitgenommen: Das Gru-gru der Tauben!

Epilog

Direkt am darauffolgenden Montag holte Nico, Marius und Daniel die Vergangenheit wieder ein: Die Reklamation bei der Bahn stand an. Nico brachte das Problem schnell auf den Punkt: ‚Aufgrund der Tatsache, daß uns die Deutsche Bundesbahn ein fehlerhaftes Produkt verkauft hat, sind uns zusätzliche Kosten entstanden, die wie jetzt gerne erstattet hätten!‘ Der Bahnbeamte zeigte sich nicht sonderlich beeindruckt und blieb die Ruhe selbst. Er ließ uns lediglich ein Formular ausfüllen. Das Geld würde dann überwiesen werden. Wie lange das denn dauern würde? Ja, da es sich um Frankreich handele, müßte erst alles in deutsche übersetzt werden, bevor man Nachforschungen anstellen könne… Wie lange das denn nun dauern würde? Das könne er so einfach nicht sagen… Wie lange es denn ungefähr dauern würde? Ja, etwa vier Wochen. Danke. Mit den kopierten Unterlagen zogen wir von dannen. Auf die schwere Geburt brauchten wir erst einmal einen Café au Lait! Den bekamen wir im Masa. Kaum haben wir den ersten Schluck genommen, legte der Chef eine neue CD auf: ‚Aguanta la mea‘! Wir haben halt kein Glück beim Kaffeetrinken… Wie sich später dank Internet herausstellte, verlief die Weiterfahrt der süddeutschen Reisegruppe aber auch nicht so ganz reibungslos… Auch sie hatten mit diversen Problemen zu kämpfen. Hier hoch einmal die Wichtigsten Erkenntnisse dieser Tour

  • Schokolade wird in der Sonne sehr schnell weich.
  • Müsli-Riegel verlieren bei Wärmeeinwirkung an Formstabilität!
  • Alte Treckingweisheit: Das Fett muß beim Kochen immer zu erst rein!
  • Verlaß dich auf die Bahn, und du bist verlassen!
  • Marius, les meduses!
  • Pastis ist ein Aperitif, kein Digestif!
  • Es hat gewisse Vorteile, wenn man mit einer gescheiten Ausrüstung unterwegs ist.

Schlußendlich ist zu sagen, daß wir alle die vielen Calanques von Cassis vermissen! Und die einfach atemberaubenden meduses! Man könnte sie stundenlang beobachten… Die Côte d’Azur im allgemeinen und Cassis mit den Calanques im besonderen sind auf jeden Fall eine Reise wert! Man kann auch mit Fug und Recht behaupten, daß auf dieser Tour jeder auf seinen Geschmack gekommen ist, und wir auf jeden Fall eine Menge Spaß gehabt haben!

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