1999-08 Sofi 99

Der Beweis dafür, dass E-Techniker verrückt sind! — am 11. August 1999

Der Untergang der Welt steht bevor: Die Klausurenzeit ist im vollen Gange. Und ausgerechnet jetzt muss sich der Mond zwischen Sonne und Erde schieben. Also fahren 4 E-Technik-Studenten in einem alten Ford Fiesta nach Süddeutschland in den Kernschatten der bevorstehenden Sonnenfinsternis.

Wir schreiben das Jahr 1999. Ganz Deutschland ist besessen. Ganz Deutschland? Nein. Eine kleine überschaubare Zunft scheint der schier unendlichen Übermacht zu strotzen! Seriöse Druiden haben prophezeit, dass am 11. August 1999 um 12.13 Uhr die Welt unter gehen wird. Das kommt doch etwas überraschend, da sich die gesamte Weltbevölkerung für den Untergang auf den 01.01.2000 vorbereitet. Diese kurzfristige Terminverlagerung kommt doch etwas plötzlich und unerwartet. Wie üblich bei Weltuntergängen setzen natürlich auch diesmal große Hamsterkäufe ein. Begehrtestes Objekt was diesmal ein bunt bemalter Pappstreifen, der, symmetrisch zur Mitte, zwei silberfarbene Folien eingelassen hat. Zu haben ist diese Rarität für lächerliche 3 DM. Auch wie bei großen Kollapsen üblich ist dieser Preis einer unglaublichen Inflation unterlegen, die über 2000% beträgt! Und das für eine Brille, durch die man eigentlich gar nichts sehen kann!

Zur gezielten Verunsicherung der Bevölkerung wird schließlich auch noch kurz vor der unmittelbar bevorstehenden Super-GAU auch mal das Gerücht verbreitet, dass einige dieser Sehhilfen defekt seien.

Wenn das Ende der Welt quasi unmittelbar bevorsteht, dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Man schaut dem übermächtigen Feind ins Auge und ergibt sich dem Schicksal, oder man schaut weg.

Vier junge Menschen, alle ihres Zeichens E-Techniker, entscheiden sich für die offene Konfrontation: Jan, Phillip, Daniel und Daniel.

Schon Wochen vorher werden ständig die verschiedensten Wetterprognosen eingeholt. Dabei werden weder Kosten noch Mühen gescheut und Informationen aus der gesamten Welt eingeholt. Jedoch je näher der Tag rückt, desto düsterer wird der Weltuntergang prophezeiht. Lag die Sonnenwahrscheinlichkeit Anfangs noch bei über 65%, so sinkt sie bis zum Tag X auf etwa 10% ab. Gleichzeitig steigt die Regenwahrscheinlichkeit an. Ob es da etwa einen Zusammenhang gibt?

Doch da Ingenieure von Hause aus zuversichtlich sind, lassen wir uns nicht unserem Vorhaben erschüttern und versammeln uns pünktlich um 6 Uhr morgens in der Gatrobe.

Sparsam, wie Ingenieure sind, besteigen wir Jans Diesel und begeben uns auf die abenteuerliche Reise gen Süden.

Als ersten nehmen wir dazu die A7 in Anspruch. Tief im Süden dann stellt sich heraus, dass diejenigen, die keine karte lesen können, immer vorne sitzen! Daher fungieren Phillip und Daniel als allwissende Stimme aus dem Hintergrund. Die Routenplanung basiert auf hochkomplizierten Algorhythmen, die auf jeden Fall auf heuristische Verfahren verzichten! Gefüttert wird dieses hochempfindliche System ständig mit den aktuellen Informationen aus dem Radio.

Jedoch gibt es Anfangs ein paar Koordinationsschwierigkeiten zwischen der Legislative und der Exekutive: „Du musst recht abbiegen“ — „Wo?“ — „Da, gerade eben!“ Jan fährt einfach zu schnell. Manchmal jedenfalls. Denn er weigert sich vehement, auf Bergstrecken runter zu schalten…

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