2003-05 Der erste Mai in Berlin

Der Hammelsprung — vom 01. Mai bis zum 05. Mai 2003

Berlin. Die Hauptstadt. Das verlängerte Wochenende nutzen wir, um Frau Siekmann mal wieder guten Tag zu sagen, und auch um mal den Reichstag von innen zu begutachten. Dank des welt-weiten Wartens blieb uns das Warten erspart, und so bekamen wir durch Flo eine Extra-Führung!!! Vielen Dank an dieser Stelle!

Eigentlich sollte es ja ein reines Arbeitswochenende in Berlin werden. Frau Siekman hatte uns eingeladen, um ihre Homepage vom BTB fertig uns online zu stellen.

Allerdings sollte, gerade am ersten Mai, auch noch etwas Kultur dabei sein. Oder besser gesagt Geschichte. Oder etwas Zeitgenössisches? Politisches? Na, egal, wir haben jedenfalls dem Reichstag einen Besuch abgestattet.

Ja, wir. Ja, der Reichstag. Nein, nicht nur die Kuppel. Dank des www kann man recht schnell Verbindungen zu Jedermann knüpfen. So auch zu Mitarbeitern der Bundes-FDP: Flori. Und Flori sei dank haben wir eine ganz individuelle Führung durch den Reichstag bekommen, wo man sonst nicht so leicht ran kommt. Und praktischerweise erspart uns das auch gleich noch die unendlich lange Warterei in der Schlange zur Kuppel…

Das Warten auf Flori haben wir uns mit rumgucken vertrödelt… Wer Schnulli-Mausi ist, kann ich leider nicht sagen. Aber Frau Siekmann kann ich hier gleich mal vorstellen.

Ihreszeichens Bestatterin und vermutlich die einzige Bestatterin, die auf einem Tretroller unterwegs ist. Aber das steht auf einem anderen Blatt!

Gestartet hat unsere Führung allerdings nicht im Reichstag direkt. Das wäre ja langweilig, sondern im Gebäude dahinter. Leider weiß ich den Namen nicht mehr… Hier besteht noch Ausbesserungsbedarf.

Nun, durch einen Tunnel geht es dann von dem unbekannten Gebäude rüber in den Reichstag. Früher war der Tunnel etwas ungemütlicher, und alles andere als groß, hell oder geräumig, wie die Ausgrabungen Zeigen.

 

Der Reichstag ruht, symbolisch natürlich, auf den Säulen der Demokratie! Verbildlicht wurde das ganze im Keller des Reichstages. Und zwar durch Keksdosen. Verzeihung. Jedenfalls steht jede dieser Blechdosen für einen demokratisch gewählten Volksvertreter, beschriftet mit seinem Namen und der zugehörigen Partei.

Es ist doch erstaunlich, wie viele das gewesen sind…

Selbst Adolf Hitler taucht auf einer dieser Dosen auf, da auch er ja ganz legal und demokratisch gewählt wurde. Das letzte Bild zeigt seine Dose. Leider etwas unscharf… Ist vielleicht aber auch besser so!

Nun, jedenfalls folgt daraufhin eine Dose ohne Aufschrift. Diese steht für die Zeit, in der die NSDAP an der Macht war. Danach geht es wieder ganz demokratisch weiter mit Konrad Adenauer bis hin zu Angela Merkel.

Und da sind sie, die heiligen Hallen. Erstaunlicherweise darf man da nicht rein. Gar keiner. Nie. Die einzigen Personen, die da hinein dürfen, sind die Abgeordneten, die Protokollanten, sowie Bundestagsdiener.

Selbst wenn ein Mitarbeiter eines Abgeordneten diesem eine Wichtige Notiz bringen muss, muss er diese einem Bundestagsgehilfen geben, der die Nachricht dann rein bringt…

Im Jahr 2003 war die PDS nicht wirklich im Bundestag vertreten. Lediglich durch zwei Direktmandate aus Berliner Wahlkreisen gelang sie mit zwei Abgeordneten in den Bundestag.

Ja, und es stimmt wirklich, dass nach einer Wahl das Stühle rücken los geht. Denn jedes Mal werden die Stühle im Bundestag umgesteckt, so dass die Gruppen auch räumlich von einander getrennt sitzen. Daher sitzen auch die beiden PDS-Kandidaten ganz alleine.

 

Betrachtet man die ganze Herrlichkeit von oben, so wird es noch deutlicher. Denn dann erkennt man wirklich, dass die einzelnen Reihen von einander getrennt sind.

Das Bild ist übrigens aus dem Stockwerk aufgenommen, wo die einzelnen Fraktionen ihren Sitzungssaal haben. Jede Fraktion ist dabei in einem Türmchen des Reichstages. Wie das heutzutage mit den 5 Fraktionen funktioniert, weiß ich allerdings nicht. 2003 hat es noch gut gepasst.

Dieses Guckloch wird übrigens mit Jalousien verschlossen, wenn wirklich Sitzungstag ist, denn es ist schon mal vorgekommen, dass die findige Konkurrenz mit Stielaugen das Manuskript des Redners abgelichtet hat… Das hat dann allerdings den Nachteil, dass die tolle Spiegelkonstruktion kein Licht mehr in den Sitzungssaal werfen kann!

 

Und dann gibt es noch zwei besondere Sitze. Eigentlich ist es nur einer, denn der andere Platz hat gar keinen Sitz, denn der ist für den Abgeordneten Schäuble.

Der andere Platz ist der des Bundeskanzlers. Erkennbar an der etwas erhöhten Rückenlehne!

Wer denkt, dass Politiker ein ruhige Leben haben, der Irrt!!! Politik ist zuweilen sogar körperlich sehr anstrengend!!!

Denn beantragt ein Politiker den sog. Hammelsprung, dann ist wirklich Hektik angesagt: Unsere Volksvertreter müssen dann nämlich ihre Stimme abgeben, indem sie den Sitzungssaal durch eine Tür verlassen, die Ihre Meinung wiederspiegelt: JA, NEIN oder ENTHALTUNG. Und an jeder Tür steht dann Personal, das die durchgehenden Abgeordneten zählt.

 

Und hier einfach mal drei Gründe, warum der Reichstag so schrecklich teuer geworden ist. Die Kosten liegen, wie immer, im Detail!

Ich sage nur: Eigens für den Reichstag designte Türgriffe!!!

 

Nichts dazu tun musste man dagegen bei diesen Wandmalereien. Schöpfer dieser Wandmalereien waren damals die russischen Besatzer, die den Reichstag bei Kriegsende eingenommen haben und sich dort gleich mal verewigt haben.

Zutage gekommen ist das alles allerdings erst, als man den alten Putz von den Wänden geklopft hat. Und so ist es geblieben…

Selbstverständlich müssen unsere Volksvertreter aber auch die Möglichkeit haben, sich zu besinnen und in Zweifelsfragen vielleicht auch mal Kontakt zum Herrn aufsuchen.

Dazu verfügt der Reichstag auch über eine Kapelle mit einer ganz besonderen, dennoch sehr bequemen Bestuhlung…

 

Der Weg alles Irdischen führt bekanntlich nach oben.

Es hat vermutlich jeder, der schon mal in der Kuppel war, solch ein Bild von der Spiegelkonstruktion gemacht. Immer wieder schön ;o) Beachtenswert ist aber auch die Anlage zur Abschattung des ganzen. Die Spiegel funktionieren nämlich mitunter so gut, dass es unten ganz schön hell und vor allem warm wird!

Nun, aber an Sitzungen wird eh alles duster gemacht von oben…

Worüber sich allerdings nur technisch interessierte Menschen Gedanken machen, ist die Tatsache, dass durch dieses riesige Loch von ca. 15 Metern Durchmesser bei Regen Unmengen von Wasser in die Kuppel kommen.

Nicht weiter schlimm, denkt man, denn jedes Dach kommt mit mehr Wasser klar. Allerdings sieht man in der Kuppel nicht eine Regenrinne, geschweige denn ein Fallrohr!!! Tja, wohin geht dann das Wasser???

 

Es gibt mit Sicherheit eine Regel, wann die Flagge gehisst wird, und wann nicht, aber ich hab sie leider vergessen…

Und so bleibt einem nichts anderes übrig, als das Berliner Panorama zu bestaunen!

 

In der Reihenfolge:

Kanzleramt, Funkturm, Potzdammer Platz und die Schwangere Auster.

 

Zum Abschluss noch einmal etwas Symbolik.

Das Monument „Der Bevölkerung“ stammt wirklich von der Bevölkerung selber. Denn bei der Eröffnung des Reichstages hat jeder Abgeordneter aus seinem Wahlkreis etwas Erde mitgebracht, die in diesem Beet vereint wurde.

Informatiker würden sagen: Germany in a Nutshell!

 

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