2006-04 Dienstreise nach Marseille

Voulez-vous… — vom 01. bis zum 04. April 2006

Man soll bloß nicht glauben, dass ich mehr Urlaub hätte, als alle anderen Sterblichen! Es ist mal wieder eine Dienstreise angesagt, die nach Marseille führt. Und da es erstaunlicherweise billiger ist, wenn man länger fliegt…

Wie es dazu kam…

Es steht wieder einmal eine Dienstreise an. Zwar nicht so weit wie St. Paul, aber mit Sicherheit wesentlich schöner! Es geht zur Jahrestagung der ECAS nach Marseille…

Frankreich *träum* Da war ich ja schon seit sage und schreibe fünf Jahren nicht mehr! Und damals noch als Student und mit Zelt!

Man ist ja für gewöhnlich bemüht, die Kosten für seinen Arbeitgeber so gering, wie möglich zu halten. Deswegen wollte ich auch anfangs nur Montag und Dienstag nach Marseille fliegen. Allerdings machte mir die Fluggesellschaft einen Strich durch dir Rechnung:

Wenn nämlich kein Sonntag zwischen Ankunft und Abflug liegt, steigt der Flugpreis von rund 200 EUR auf schlappe 1200 EUR an! Jesses, was für ein Hotel hätte ich für das Geld nehmen können… Also halt schon am Samstag hin und Dienstag wieder zurück *freu*

Apropos Hotel: Hat schon mal jemand versucht, ein französisches Hotel auf englisch zu reservieren? Das Englisch der Franzosen klingt ja sooo niedlich! Ich habe zwar 4 Jahre Französisch in der Schule gehabt, aber seit dem ist es leider etwas eingerostet. Von daher habe ich mich nicht getraut, es am Telefon zu verwenden. Vor Ort kann man ja immer noch Hände und Füße zu Hilfe nehmen, aber am Telefon?

Das Hotel ist jedenfalls direkt am Hafen und somit schön in der Innenstadt. Zwar etwas weiter weg vom Kongresszentrum, aber man kann ja nicht alles haben. Auch die Berichte zum Hotel im Internet klingen vielversprechend.

Teuer mit der Lufthansa zu fliegen hat ja auch Vorteile: Während man auf sein Flugzeug wartet (Fliegen ist ja angeblich sooo schnell, aber irgendwie verbringt man doch die meiste Zeit mit warten), kann man sich sinnlos mit Tee oder Kaffee abfüllen und in kostenlosen Zeitungen blättern…

Die Fußball-Nase, mit der die Lufthansa gerade Werbung macht (wer in Deutschland springt gerade eigentlich nicht auf den Fifa-Zug auf???), habe ich leider nicht bekommen.

Das Flugzeug, mit dem ich nach München gedüst bin, war ein Airbus A319-100 mit satten 126 Sitzplätzen. Und es schien irgendwie so, als wenn davon mindestens 50 mit plärrenden Kindern besetzt waren!!!

München

Über eine Stunde Aufenthalt. Um wirklich was interessantes zu unternehmen zu kurz, um sich zu langweilen, mehr als ausreichend… Da es im ersten Flug kein Essen gegeben hat (ich bin ja nun wirklich kein Fan von diesen eingeschweißten Schuhsohlen, aber ob man nicht vorher ankündigen kann, ob es etwas zu futtern gibt, oder nicht???), musste ich mich zunächst erst mal auf die Suche nach einem vergoldeten Balisto machen.

Als ich dann endlich jeden Quadratzentimeter des Terminals abgerast habe, ging es auch schon weiter. Und wer denkt, dass es keine kleineren Flugzeuge in der Lufthansa-Flotte gibt, der irrt!

Mit der Canadair CRC 100 mit 50 Sitzplätzen ist noch mal eine Nummer kleiner! Und da gibt es dann auch nicht mehr 6 Sitze pro Reihe, sondern nur noch 4. Und selbst ich mit meinen stattlichen 165 cm stoße mit am Fenster schon den Kopf an dem gekrümmten Rumpf.

Die nervenden Kinder wurden auf diesem Flug übrigens durch einen kläffenden und jammernden Hund ausgetauscht…

Auf dem Weiterflug nach Marseille gab es dann sehr viel zu sehen. Warum, weiß ich gar nicht so recht. Vielleicht, weil dieser City-Hopper nicht so schnell an Höhe gewonnen hat, oder weil er generell tiefer fliegt, oder weil das Wetter im Süden besser war, oder…

Jedenfalls waren da komische Kornkreise und außerdem noch unser Schatten!

Und dann kam der Bodensee. Der Herr hinter mir wurde schon ganz nervös und hat seiner Begleitung alles ganz detailliert erzählt, wo welche Stadt ist, und wo die Grenze verläuft. Ich hab’s nicht behalten, aber diese Stelle findet man wohl im Atlas schnell wieder…

Viel interessanter finde ich das Bild, was sich wenige Minuten später über der Schweiz ergab. Zwei Flüsse, die zusammenfließen, wobei der eine sehr sauber und der andere extrem dreckig ist.

Anfangs dachte ich erst wegen der Farbe, dass es eine Straße sei, aber dann fließen die Beiden Flüsse zusammen. Oder besser gesagt: Sie teilen sich das selbe Flussbett, ohne sich wirklich zu vermischen…

Frankreich

Frankreich. Ganz klar. Da muss man nämlich Peage zahlen…

Ja, und dann durften wir endlich aus der Sardinenbüchse aussteigen. Die Koffer kamen dann auch irgendwann und dann auf zum Bus, der in die City fährt. Der Flughafen von Marseille heißt ja nicht umsonst „Marseille Provence“. Denn er liegt wirklich in der Provinz. Der Bus ist ein Überlandbus, der rund 20 Minuten über die Autobahn fährt, bis er endlich am Hauptbahnhof ankommt…

Und da sind wir nun in Frankreich. Woran erkennt man das? Entweder an den Strommasten, die hier deutlich anders ausschauen, als bei uns daheim (ich bin nun mal E-Techniker!) oder aber an den Geschwindigkeitsangaben an den Straßen!

In Frankreich misst man die Geschwindigkeit nämlich nicht in km/h sondern in rappel. In der Stadt darf man nur 50 Rappel fahren. Außerorts dagegen 100 Rappel!

Das Hotel

Das Hotel war schnell gefunden. Es liegt am Hafen in der Altstadt. Also vom Bahnhof aus muss man dann immer nur bergab gehen. Marseille liegt zwar offiziell auf 20 Meter über dem Meeresspiegel, aber bei so vielen Bergen drum herum scheint mir das nur ein sehr schlechter Mittelwert zu sein!

Das Zimmer ist durchaus akzeptabel. Der Blick aus dem Fenster durchaus beachtenswert!!! Der einzige Nachteil ist, dass es leider nicht wirklich ruhig ist. zumindest nicht vor halb vier Uhr morgens…

Es war WARM! Man kommt aus dem noch immer in Winterschlaf steckenden Norddeutschland und landet bei 20 Grad im Schatten an der Cote d’Azur. Selbstverständlich habe ich mich im Flugzeug nicht umgezogen und war demnach am Schwitzen, bis ich meinen Koffer im Hotel hatte!

Daher erst mal Klamotten vom Leib reißen, rein in die kurze Hose und dann im T-Shirt raus zum Sightseeing. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, ich war bereits um 13 Uhr am Hafen!

Panorama – Blick aus dem Hotel in Marseille

Jaha, so sieht es aus, wenn ich aus dem Zimmer schaue!!! Echt unglaublich, oder??? Links gehts in die Stadt hinein und rechts der Hafen. Leider etwas laut, wie das halt immer bei Straßen ist, die zum Wasser führen. Aber das ist man von Torre ja schon gewöhnt…

Panorama – Irgendwo in Marseille

Ich weiß wirklich nicht, wo das nun genau ist, geschweige denn, wie es heißt. Aber ein kleines Pano war es auf jeden Fall wert! Irgendwo auf dem Weg den Berg hinauf…

Notre Dame de la Garde

Erstes Ziel: Notre Dame de la Garde. Die Kirche ist kaum zu übersehen, thront sie doch über der Stadt. „Über“ ist hier auch genau das richtige Stichwort. Schlappe 170 Höhenmeter gilt es zu überwinden…

… um dann oben festzustellen, dass die Kirche renoviert wird, und deswegen nur die Basilika zu besichtigen ist. Egal. Rein. Mir ist HEISS. Und Kirchen sind ja bekanntlich aus massivem Stein und selbst im Hochsommer angenehm kühl. Denkste. Drinnen erwartet einen dann eine Mischung aus 90% Luftfeuchtigkeit und Stearin-Geruch untermalt vom dröhnen der scheinbar nutzlosen Ventilatoren!!! Also nur kurz gucken, und dann wieder raus an die frische Luft!!!

Panorama – Notre Dame de la Garde

Der Fast-Rundum-Blick! Die Wolken am Himmel täuschen!!! Es war richtig warm! Und die Bäume, die man da so sieht, haben nicht wirklich Schatten gespendet… Man beachte übrigens die schrecklichen Hochhäuser, die überall in der Stadt verteilt sind.

Apropos frische Luft: Frische Luft = Schnullis gucken! Da sagt noch mal jemand, Franzosen seien hässlich!!!

Apropos hässlich: Marseille hat ein Problem. Es wurde im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört. Dem Architekten, der für den Wiederaufbau zuständig war, wurde hoffentlich kein Denkmal gesetzt.

Marseille zeichnet sich dadurch aus, dass Altbauten unmittelbar neben hässlichen Neubauten stehen, die dem Plattenbau im Osten noch was vormachen können!

Und das sieht man überall! Man denkt: Oh, welch schöne Gasse, geht hinein, und das dritte Haus ist dann wieder die Hässlichkeit in Person! Mitten in der Altstadt hat man Hochhäuser mir über 10 Stockwerken! Das kann es doch wohl nicht wirklich sein, oder???

Ach so, warum ich das Bild überhaupt gemacht habe: Mein Hotelfenster…

Hat mich etwas an die Piazza Navona in Rom erinnert… Wenn auch wesentlich kleiner und nicht so belebt…

Egal, nett war es trotzdem und sehr einladen außerdem!

Panorama – Der Alte Hafen in Marseille

Der Alte Hafen in Marseille mit der Kirche Notre Dame de la Garde im Hintergrund.

Ja, ich bekenne mich schuldig! Ich bin mit so einer komischen Bimmelbahn gefahren!!! Aber mal ehrlich: Wenn man von vorne herein zu faul ist, sich im Reiseführer etwas anzulesen, dann ist das genau das richtige, um den naiven Touristen zu beeindrucken! MIR hat es jedenfalls die Entscheidung abgenommen, welchen Stadtteil ich am nettesten finde. Die wirkliche Altstadt nämlich rechts des Hafens…

Und so ganz nebenbei trifft man in der Bimmelbahn auch noch auf eine spanische Reisegruppe ;o) Wir hatten jedenfalls unterwegs viel Spaß!!!

Auf französisch, englisch und spanisch (wo ist denn eigentlich deutsch???) ging es dann vom Alten Hafen (Vieux Port) durch das historische Marseille.

Erster Halt: Das älteste Haus von Marseille. Wie durch ein Wunder im Krieg nicht getroffen. Hinterher hab ich dann festgestellt, dass allenfalls die Fassade original ist. Von hinten sah der Bau doch sehr neu aus…

Es ist ja eigentlich immer komisch. Im Urlaub verbrennt man unter der Sonne, aber wehe, es ist mal ein leichter Dunst am Himmel, dann sehen alle Bilder aus, als wenn man kurz vor einem Wolkenbruch steht!

Mir fällt der Name der Kirche jetzt schon nicht mehr ein, obwohl ich gerade auf meinem Hotelbett sitze, und diese Zeilen schreibe… Aber der Spitzname! Der ist nämlich „Würstchen“! Hat übrigens nichts mit der Form zu tun, sondern damit, dass die Kinder , die brav bei den Prozessionen die zu der Kirche führten, am Ende mit einem Würstchen belohnt wurden. (Heutzutage müsste die Kirche dann wohl iPod heißen oder so.)

La Cathedrale de la Major

Ich wusste gar nicht, dass die Franzosen so gewitzt sind. Diese Kirche, La Cathedrale de la Major, hat nämlich auch einen Spitznamen: Schlafanzug. Angeblich wegen der Streifen… Übrigens eine der letzten gebauten Kathedralen in Frankreich im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie fasst übrigens bis zu 3000 Personen. Komisch, als ich am Sonntag drin war, und der Messe gelauscht habe, waren nicht einmal 30 Leute da. Von den Touristen die sich dadurch nicht abschrecken ließen, mal abgesehen.

Unmittelbar daneben die erste Kirche, die in Marseille gebaut wurde. Mitte des 9. Jahrhunderts. Fragt sich nur, wie lange die noch überlebt – man beachte die Holzstützen!

Panorama – Fort St. Nicolas

Dass die Franzosen mit ihrem Militär sehr verbunden sind, wir auch dem Touristen schnell klar! Selbst vor historischen Monumenten macht das Militär keinen Halt. Es wird gnadenlos besetzt!!! Und wenn es dann noch so ein strategischer Leckerbeiisen ist, wie das Fort St. Nicolas, dann doch erst recht! Da müssen die Touristen einfach mal ein Auge zudrücken…

Das erste Hospiz in Marseille. Das erste Hospiz überhaupt? Glaub ich dann ehr doch nicht. Egal. Jedenfalls war diese Charitee (so der Name) wohl eines der ersten.

Heute übrigens ein Museum für ägyptische Kunst – wie naheliegend.

Genau das meine ich mit gegensätzlich!!! Auf der einen Straßenseite schön verschnörkelte Balkone (wobei die Franzosen scheinbar generell nicht viel von Farbe oder Fassadenreinigung zu halten scheinen)…

… und auf der anderen Straßenseite steht dann wieder die Platte. Und zwar mit mindestens doppelt so vielen Stockwerken!

Das meine ich mit der Notre Dame de la Garde, die quasi omnipräsent ist, wenn sie nicht gerade durch ein Hochhaus verdeckt wird…

Dieser Platz ist übrigens mal gar nicht so schlecht geworden, was die Architektur betrifft. Leider waren die Platanen noch nicht so ganz grün.

Man beachte übrigens die Mülleimer. Im Zuge des Kampfes gegen den Terror und zur Vermeidung von Bomben in Mülleimern hat man diese einfach ihrer Verkleidung beraubt, so dass nun nur noch die Säcke dort hängen…

Lafayette

Und dann ist da noch das Einkaufszentrum Lafayette. Gleich bei mir um die Ecke. Mit unzähligen kleinen Geschäften drin, die allesamt zum Geld ausgeben locken…

Man beachte die Hochhäuser drum herum und das alles keine 100 Meter Luftlinie vom Vieux Port entfernt!

Panorama – Lafayette in Marseille

Hier mal ein Blick hinter Lafayette mit den Resten des alten Marseille. Vermutlich das, was direkt nach dem Zweiten Weltkrieg übrig geblieben ist. Ich finde diesen 70er Baustiel vom Kaufhaus ja echt bemerkenswert. Irgendwie erinnert der mich immer an Luis de Funes!!!

Marseille bei Nacht

Noch ein paar Nachtimpressionen vom Hafen und meinem Hotel.

Das bunte links im Bild ist übrigens ein Hotel direkt an der Ausfahrt vom Hafen.

Und dann war da noch das Abendessen. Von unserem ersten Mallorca-Besuch noch gezeichnet, haben wir uns eigentlich geschworen, nie wieder in zentraler Lage in einer Touristenstadt essen zu gehen. Nun, der Hunger hat mir da einen Strick durch die Rechnung gemacht, so dass ich dann doch wieder am Hafen essen gegangen bin. Aber man ist ja auf zack! Ich gehe in ein Restaurant, wo es ein Menü gibt, was ja aus Erfahrung her immer billiger ist. Nur, dass der die Getränke dann teurer waren, als das Essen…

Egal, ich hab auf jeden Fall meine erste echte Bouillabaisse gegessen. War sehr lecker. Allerdings wunderte es mich, dass es mich wunderte, dass es ein Fischteller ist, wo hinterher einfach nur Fischbrühe drüber gegossen wird.

Das ganze ist ja nun keine Lustreise, sondern eine Dienstreise. Sonntag. Man muss sich im Kongresszentrum registrieren. Das bedeutet, dass man mit der Metro zum Parc Charnot fahren muss. Marseille hat zwei Linien. Rom auch nicht mehr.

Wie ich das aber schon aus Paris her kenne, fährt auch hier die Metro auf Reifen, und nicht auf Schienen. Demnach riecht es in den Bahnhöfen immer gerne etwas nach verbranntem Gummi…

Nun, die Registrierung ist schnell abgeschlossen, so dass man noch mal ebend schnell durch den Parc Charnot bummeln kann. Dauert keine 5 Minuten, dann ist man durch.

Der Park zeichnet sich auch nur durch die nett geschnittenen Ficci (Ficcuse???) aus…

Von dort aus geht es dann, dem Tagesticket sei dank, zum Bahnhof. Apropos Tagesticket und Metro. Das System ist dem in London sehr ähnlich: Man schiebt seine Fahrkarte in einen Schlitz, sie kommt hinten raus und man kann die Schranke passieren. Soweit so gut. Allerdings ist es in London nun so, dass die Schranke erst öffnet, wenn man das Ticket aus dem hinteren Schlitz heraus zieht. Bei den Franzosen dagegen schießt das Ticket hinten aus dem Schlitz heraus und fliegt mindestens 30 cm weit. Man hat Glück, wenn es nicht auf dem Boden landet…

Hier merkt man mal wieder, wie hügelig Marseille eigentlich ist. Am Kongresszentrum gehts gerade mal 15 Stufen runter, wohingegen man am Hauptbahnhof eine scheinbar nicht enden wollende Rolltreppe hinter sich bringen muss!

Das nette an der Bimmelbahnfahrt war, dass man Plätze kennen lernt, wo man denkt: Oh, hier muss ich noch mal hin! Wie hier bei diesem Platz. Er hatte irgendwie etwas mit Windmühlen und vier Winde zu tun…

Der Mensch ist ja von Hause aus ein Voyeur! Daher mal ein paar Blicke durch Tore…

Ein mal an Hafen von der Altstadt her.

Und dann noch mal auf der anderen Seite des Hafens beim Fort de St. Nicolas

Marseille-Fans mögen mir verzeihen, aber ich finde, das passt auch so gut ins Hui-Pfui-Prinzip: Die Fassade erstrahlt im hellsten weiß und an den Seiten ist es nahezu schwarz!

Wo ich gerade bei Marseille bin: Irgendwie gefallen mir die Bewohner dieser Stadt nicht so recht. Und zwar liegt das einfach daran, dass es kaum Franzosen sind! Die meisten sind ganz augenscheinlich afrikanischer Abstammung. Und irgendwie erzeugen diese Leute in hier den Reflex, alles was mir gehört krampfhaft festzuhalten und die Gegend möglichst schnell wieder zu verlassen!

Erstaunlicherweise (oder glücklicherweise) beschränkt sich das nicht auf alle Ecken Marseilles. So ist die Altstadt freundlicherweise wesentlich angenehmer zu durchschreiten. Wohingegen der Weg vom Bahnhof zum Hotel (man möge sich vorstellen, was mir auf dem Weg durch den Kopf gegangen ist: „Ach du großer Gott, hier sollst Du 4 Tage bleiben!!!“) sowie der Besuch dieser Kirche ein wahres Spießroutenlaufen für mich war. Zu allem Überfluss war die Kirche dann auch noch zu!

Panorama – Der Alte Hafen in Marseille 2

Erstaunlicherweise sieht man in Marseille ziemlich wenig grün. Scheinbar hat man die Hänge hier einfach begrünt, weil einem nichts sinnvolleres eingefallen ist. Immerhin beginnt dort, wo der Rasen endet, eine sehr hübsche Mauer aus Stein!

Kongresszentrum

Tags darauf. Der eigentliche Tag dieser Dienstreise: Die Poster-Präsentation. Allerdings erst am Nachmittag um 4. Also noch genug Zeit, um nach dem Frühstück noch etwas am Hafen entlang zu Bummeln und endlich die Zeitungen zu lesen, die ich in München mitgenommen habe…

allerdings stellte sich heraus, dass es mit dem Lesen an diesem Tage nicht ganz so einfach war. Zum einen machten die Franzmänner man wieder ausgiebig von ihrem Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch und demonstrierten vor dem Regierungsgebäude lautstark.

Und dann war da noch der Wind! Tags zuvor war es nahezu windstill gewesen und damit fast schon zu warm. Aber heute war es an manchen Ecken fast schon stürmisch! Aber naja, zum Lesen der Blödzeitung hat’s auf jeden Fall noch gereicht. Außerdem war noch Markt! Und wo Markt ist, da sind auch Fische. Und wo Fische sind, da sind auch Möwen…

Panorama – Der Alte Hafen in Marseille 3

Umziehen, schick machen, und dann mit dem Bus zum Kongresszentrum. Man hätte auch die U-Bahn nehmen können, aber mit dem Bus ist es schöner…

Da ich mal wieder viel zu früh vor Ort war, hab ich mit das erst mal im Park gemütlich gemacht und ein schönes Baguette unter freiem Himmel gegessen. Allerdings im Schatten. Sommer, Sonne und Anzug vertragen sich einfach nicht!

Ja, und dann war es endlich soweit. Poster aufhängen. Ganz tolle und elegante OSB-Platten haben die dafür organisiert. Und was noch besser ist: Man bekommt die Reißzwecken da kaum rein… Mein Nachbar hat es mit Doppeltklebeband versucht, was nur von einer Seite klebte und ist dann später auch auf die Zwecken umgestiegen.

An dieser Stelle sei noch mal angemerkt, was manche Leute unter einem Poster verstehen. Da drucken die Leute doch schamlos einfach ihre Powerpoint-Präsentation aus und pinnen die an die Wand. Einige haben sich wenigstens noch die Mühe gemacht, die losen Blätter mit Tesafilm zusammen zu kleben.

Die Posterpräsentation war de facto nicht moderiert. Mit anderen Worten: Man steht vor dem Ding ‚rum und hofft, dass ein interessierter vorbei kommt. Immerhin habe ich mich angeregt mit meinem Nachbarn unterhalten…

Zur Verteidigung sei aber doch angemerkt, dass wirklich ein paar Leute vorbei gekommen sind und es zu anregenden Diskussionen kam! Unter anderem ein etwas älterer Herr, der ganz begeistert von meiner Arbeit war und sich lange mit mir unterhalten hat. Am Ende meinte er nur noch, ob ich denn heute Abend etwas vor hätte. Nein, was auch? Daraufhin gab er mir seine Einladung zum Galadinner! Och, da sagt man ja auch nicht nein, oder???

Das Galdinner

Panorama – Bucht bei Marseille

Blick vom Saal des Dinners auf das Meer.

Das Galadinner. In einem Luxushotel an der Küste. Etwa 100 Personen haben sich dazu angemeldet. Während die so langsam herein tröpfelten, musste ich dann allerdings feststellen, dass der gute Mann, der mir angeblich seine Einladung gegeben hat, selber auch vor Ort war!!!

Nun, ziemlich schnell hab ich dann wenigstens herausgefunden, dass der Mann einer der Chefs des ganzen ist! Wie peinlich! Nun, wie dem auch sei, wir hatten einen sehr netten und unterhaltsamen Abend!

Sobald ich die Speisekarte übersetzt habe, weiß ich dann auch, was wir gegessen haben. Es war auf jeden Fall Fisch. Wobei man das bei der Vorspeise nicht wirklich genau sagen kann…

Und dann hat man mit noch etwas offenbart an diesem Abend: Wie unterscheidet man Europäer von Amerikanern? Ganz einfach: An der Krawatte! Hat sie nämlich Streifen, so sind sie in 99% der Fälle bei Europäern in Leserichtung ansteigend, bei den Amerikanern dagegen fallen sie ab! worauf manche Leute so achten…

Franzosen und Demos

Irgendwann nach Mitternacht war ich dann auch im Hotel und habe das erste mal so richtig gut geschlafen! Beim Frühstück eröffnete ich der netten Dame, die für das leibliche Wohl verantwortlich ist, dass ich abreisen werde. Da meinte sie nur: „Nein, das geht nicht, es wird gestreikt! Schauen sie mal raus, das sieht echt nett aus dort!“

Na toll! Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass die Franzosen, schon wieder, am demonstrieren waren. Das dritte Mal in vier Tagen!!! Und wie die Male zuvor weiß keiner so recht, warum… Aber wenn sie es tun, dann mit Leidenschaft!

Da auch fast alle Geschäfte geschlossen hatten, entfiel die geplante morgentliche Shoppingtour. Aus Sicherheitsgründen machte ich mich gegen Mittag bereits auf den Weg zum Flughafen um dort der Dinge zu hadern, die da hoffentlich kommen mögen!

Das Flugzeug kam dann auch praktischerweise mit Verspätung an. Da es noch indifferenzen mit der Passagierliste gab, sowie der Slot zum Starten auch nicht eingehalten werden konnte, hat sich die die Verspätung noch weiter ausgebaut.

Meine einst so große Umstiegszeit von gut einer halben Stunde schmolz dahin, so dass ich in München schon das bekannte „Herr Detsch wird dringend zu Flugsteig 6 gebeten“. Sechs??? Na toll, ich war bei 36! Nun denn, die 30 Gates in gut 60 Sekunden dürfte wohl ein rekordverdächtig sein!

Kaum mit hängender Zunge an Bord, hieß es dann auch schon „Boarding completed“ und vom Kapitän kam nur ein semiprofessionelles „So, es geht los“ anstatt dem üblichen „Cabinecrew prepare for takeoff“.

Während des Fluges kam dann der Kapitän vorbei und meinte: „Herr Detsch, ich habe schlechte Nachrichten für Sie. Ich habe gerade ein Fax bekommen “ – es wundert mich, dass es mich wundert, dass es in Flugzeugen ein Fax gibt – „Ihr Gepäck ist nicht an Bord und kommt mit der Maschine um 2215 in Hannover an.“ Nun, nicht weiter verwunderlich, dass ich mein Gepäck abgehängt habe…

Nun, bei der Gepäckverfolgung der Lufthansa ging dann alles sehr reibungslos und wir haben viel gelacht! Problem bei der ganzen Sache ist allerdings, dass ich schon Morgens drauf wieder nach Rottmersleben weiter unterwegs war, die Auslieferung des Gepäcks aber erst am nächsten Morgen erfolgt. „Und wie komme ich jetzt an meine Zahnbürste?“ – „Ach, da gebe ich Ihnen eine!“ Sehr witzig! Ich habe aber wirklich eine bekommen: Dazu noch Deo, Rasierer, Duschbad, Bürste, Zahnpasta, Ohrenstäbchen (jaha!) und ein T-Shirt in XXL.

Ende gut, alles gut!

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