2007-08 Spanien-Revival-Tour

Zurück in die Kindheit… — vom 06. bis zum 10. August 2007

Eine Reise in die Vergangenheit. Meine Cousine heiratet und wir nutzen die Gelegenheit, in die Gegend der Kindheit meiner Mutter und auch unsere Kindheit zurück zu fahren. Madrid, die Berge, Puerto Navacerrada, Leon und natürlich das Dorf meiner Oma, Alija del Infantado. Da werden Erinnerungen wach — verdammt viele!

Cercedilla

Von Madrid geht es zunächst einmal in die Berge. Erste Station ist Cercedilla. In diesem Haus ist meine Mutter unter anderem aufgewachsen. In meiner Kindheit waren wir dort oft im Urlaub *träum*

Heute sind viele Häuser in dieser Straße leider etwas verfallen…

Das ist Paco Ochoa. Und meine Mutter ;o) Paco Ochoa, oder, die meine Mutter immer sagt, „Paquito“, hat bei den Olympischen Spielen eine Goldmedallie im Ski fahren gewonnen. Als er klein war, war er allerdings noch nicht so gut, denn da hat ihn meine Mutter beim Ski fahren immer abgezogen und hat vor ihm den ersten Platz gemacht!

Eine Kirche von Cercedilla. Spanische Dörfer haben ja immer mehr als eine Kirche ;o) In dieser allerdings haben meine Eltern geheiratet! Von außen ist sie etwas unscheinbar. Leider ist sie geschlossen.

Puerto de Navacerrada

Weiter geht es Richtung Norden durch die Berge des spanischen Zentralmassivs. Ein bedeutender Pass zur Landesgrenze von Madrid nach Leon ist der sogenannte Puerto Navacerrada. Im Winter ein wichtiges spanisches Ski-Gebiet und hoffnungslos überlaufen. Im Sommer dagegen angenehm ruhig.

Und für die Familie wieder eine wichtige Station, denn auch hier hat meine Mutter einen Großteil ihrer Kindheit verbracht. Mein Opa war Förster für das Waldgebiet auf der Nordseite der Gebirgskette, das man im linken Bild sieht. Das Recht Bild schaut nach Süden Richtung Madrid.

Hach, was sind solche Soda-Flaschen doch praktisch, wenn man kein Glas dabei hat!!!

Der Name Navacerrada lässt sich übrigens von nunca cerrado ableiten, was soviel wie nie geschlossen bedeutet und wohl auf den hervorragenden Schnee-Räumdienst schließen lassen lässt.

Das hier ist nun ein Blick auf eine der zahlreichen Pisten in der Gegend. Auf dem linken Bild sieht man links ein Haus. Eine kleine Herberge oder ein kleines Hotel von früher. Heute ein privates Haus. Und hinter eben diesem Haus stand früher mal ein Weiteres. Dort hat meine Mutter gewohnt! Leider sieht man nicht einmal mehr die Grundmauern.

Und das ist so etwa die einzige Infrarstruktur, die der Ort zu bieten hat. Ein Souvenier-Geschäft, zwei Restaurants und jede Menge Hotels!

Aber natürlich darf auch ein Bahnhof nicht fehlen.

Das ist doch mal eine ganz klassische Bahnhofshalle! Mit einem amtlichen Kamin, der nicht den Eindruck macht, als wenn er im Winter nicht genutzt werden würde…

Neben der Ski-Tourismus-Industrie hat der Ort dann nur noch etwas Militär zu bieten. Diverse Stationen sind rund um den Pass verteilt und man trifft immer wieder auf militärisches Sperrgebiet und diverse Funk-Antennen.

Leider ist das Wetter in der Höhe nicht so ganz auf unserer Seite und ein Fernblick, den man normalerweise von dieser Aussichtsplattform mitten in der Pampa hat, bleibt uns leider verwehrt :o(

Los Cotos

Los Cotos ist ein Pass in den Bergen von Madrid auf etwa 1830 Metern Höhe. Besonders bekannt ist diese Region durch den Wintersport. Meine Mutter wohnte als Kind nicht weit entfernt und mein Opa war in den Wäldern dieser Region der Förster. Im Sommer ist es dort oben eher ruhig, aber nicht weniger schön! Allerdings ist der Ort bzw. die Gegend nicht unbedingt auf Gäste eingestellt, wie wir feststellen mussten…

La Granja

La Granja de San Ildefonso ist die ehemalige Sommerresidenz der spanischen Könige und liegt etwa 60 Kilometer nördlich von Madrid. Es ist im barocken Stil von Versailles nachgebaut und wird daher gerne auch mal als spanisches Versailles bezeichnet. Durch den riesigen Park kann man wunderbar spazieren gehen und auch im Sommer ist es hier, im Gegensatz zu Madrid, von der Wärme her sehr erträglich. Madrid wird ja nicht umsonst die Bratpfanne Spaniens genannt. Was will man von einer Stadt in einer Hochebene, umrundet von Bergen auch anderes erwarten im Sommer?

León

Leon. Die Kathedrale. Interessanterweise heißt sie offiziell Catedral de Leon, wird aber zumeist mit dem viel schöneren Namen Catedral de la Luz (Kathedrale des Lichts) bezeichnet. Und der Name ist in der Tat Programm. Lichtdurchflutet, hell und farbenfroh präsentiert sich das innere. Und außerdem sollte man der Kathedrale unbedingt aufs Dach steigen. Der Weg lohnt sich in jedem Falle!

Es ist nicht einfach, die Kathedrale zu fotografieren — zumindest nicht, wenn man den Anspruch hat, sie ganz aufs Bild zu bekommen und nur einen einfachen Fotoapparat hat. Denn der Platz davor ist sehr eng bemessen und man sieht so manchen Touristen, der sich und seinen Apparat verzweifelt versucht, in die hinterletzte Ecke eines Hauseingangs zu pressen.

Spätestens seit Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“, wo er seine Pilgerwanderung nach Santiago de Compostela niedergeschrieben hat, weiß jeder, dass Leon auf dem nördlichen Pilgerweg nach Santiago liegt. Zumindest in Spanien ist dieser häufig mit dem Symbol der Pilgerer, der Jacobsmuschel gekennzeichnet. So findet man diese Muschel gerade in der Innenstadt Leons zu haus.

Panorama – Parador de San Marcos

El Parador de San Marcos. Ursprünglich einmal ein Pilger-Hotel. Mitlerweile immer noch ein Hotel. Allerdings der sehr gehobenen Klasse, die sich Pilger in der Regel nicht mehr leisten können.

Und dann wäre da noch die Casa de los Botines von Antonio Gaudi. Sieht man gar nicht so auf den ersten Blick, weil ihn jeder mit der Sagrada Familia in Verbindung bringt, dennoch gehört dieses Gebäude in Leon zu seinen wichtigsten Werken. Ironischerweise hat man direkt vor das Gebäude eine Statue von ihm aufgestellt, die zeigt, wie er gerade selbiges Gebäude zeichnet…

Alija del Infantado

Ein kleines, aber erstaunlicherweise gar nicht so unbekanntes Dorf in der Nähe von León, nur unweit der Nationalstraße N6 entfernt, an einem sanft ansteigenden Hang gelegen und mit zwei natürlichen Quellen gesegnet: Alija del Infantado, der Wohnort meiner Oma.

Warum es gerade hier ein Denkmal für Seemänner gibt, ist mir allerdings schleierhaft!

Viel bezeichnender für dieses Bauerndorf sind die zahlreichen Häuser aus Lehm-Stroh-Ziegeln! Erstaunlich, dass so etwas hält. Und das, obwohl es im Norden Spaniens nicht immer nur trocken ist. Und dann gibt es auch noch so gewagte Balkon-Konstruktionen, wo einem schon beim Hinaufschauen ganz anders in der Magengegend wird.

In diesem Haus ist meine Mutter geboren worden!

Eine der beiden Kirchen in Alija. Ja, auch ein kleiner Ort kann sich zwei Kirchen leisten. Eine unten am Berg und eine weiter oben! Die obere Kirche wurde unlängst restauriert und man kann jetzt sogar relativ gefahrlos auf den Glockenturm hinauf.

Relativ gefahrlos, weil die Steine zwar alle fest und sicher sind, aber nach spanischer Manier gibt es natürlich keinerlei Geländer oder sonstige Absturzsicherungen. Aber es ist ja auch nur ein Kirchturm. Und wehe, es glockt, wenn man oben steht!!!

Panorama – Alija del Infantado

Der Blick von der oberen Kirche in Alija del Infantado auf das Dorf. Das Bild ist vom Kirchturm aus aufgenommen. Aufgrund der Pfeiler im Turm ist ein ganzer rundum Blick leider nicht möglich.

Vielleicht ist Alija ja bekannt, weil es auf eine der möglichen Routen für den Jakobsweg nach Santiago liegt. Es gibt auch ein offizielles Pilger-Hotel! Ob denn Hape Kerkeling auch durch Alija gewandert ist, weiß ich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, da er von Nachbarorten berichtet.

Ganz besonders typisch für Alija sind die Cuevas. Also Höhlen, die per Hand mit Hammer und Meißel in den Berg getrieben sind. Mehr oder weniger horizontal bzw. leicht abschüssig geht es bis zu 20 Meter in den Berg. Dann erreicht man eine oder mehrere große Höhlen mit einer lichten Deckenhöhe von bis zu 5 Metern und einem Rauch-Abzug. Dort steht dann alles, was man zum Wein machen und lagern alles benötigt: Sprich mindestens ein Zuber zum zertreten der Trauben und ein Fass mit mindestens 200 Litern Fassungsvermögen. Große Cuevas haben auch riesige Hebel-Vorrichtungen mit Gegengewichten zum automatischen Pressen der Trauben.

Leider ist diese Tradition mit dem letzten Generationswechsel aus der Mode gekommen. Und so kommt es, dass durch den Regen viele der Cuevas einen Wassereinbruch erleiden und dann die benachbarten Höhlen ebenfalls schädigen. Und so ist es auch mit der Höhle meines Opas passiert: Die Nachbar-Cueva ist eingestürzt, weil sich keiner mehr darum gekümmert hat. Und dadurch dass sich dort dann Wasser angesammelt hat, ist die Seitenwand eingestürzt, und damit ist auch unsere Höhle im folgenden Jahr eingebrochen.

Die Luxus-Cueva in Burg-Form gehört… Na, wem wohl? Richtig, dem Bürgermeister!

Stichwort Quelle. Alija hat zwei davon. Eine weiter oben in den Bergen und eine etwa 5 Minuten zu Fuß vom Haus meiner Oma entfernt. Und eben diese Quelle wurde früher als Tränke für die Schafe und als Wasch-Platz für die Frauen verwendet. Dazu gab es (bis vor wenigen Jahren noch!!!) zwei große und ein kleines Becken: Das Quellwasser plätschert zunächst in das kleine Becken. Dort muss man unter Umständen sogar warten, bis man dran ist, um seine Flaschen und Kanister zu füllen.

Von dort geht es in das erste große Becken, die Vieh-Tränke. Und dann in das zweigeteilte Wasch-Becken: Für die Lauge mit dem typischen Wasch-Beton zum schrubben am Rand und einem zweiten Teil zum Klarspülen der Wäsche. Und natürlich wurde dort nicht nur Wäsche gewaschen, sondern auch immer die neuesten Nachrichten ausgetauscht!

Das muss man einfach mal gesehen haben!

Bei Abuela

Meine Oma bewohnt ein altes Bauernhaus. Und wie in dieser Region üblich, gibt es hier viel Wein, den jeder auf seinem Acker anbaut und gegebenenfalls auch noch ein paar Ranken zu Hause hat. Diese spenden dann zusätzlichen Schatten und halten das Mauerwerk im Sommer etwas kühler, denn hier wirds im Sommer richtig heiß!

Wie sich das für ein Bauernhaus gehört, gibt es eine große Diele, die zumeist als Wohnzimmer dient…

Das eigentliche Wohnzimmer (also die „gute Stube“) wird hingegen eher selten benutzt. In sofern sind die Spanier den Deutschen durchaus ähnlich…

Ein Blick ins Schlafzimmer verrät auf dem 2. Blick, wie das Haus konstruiert wurde: Ausschließlich aus Naturstoffen. Das fängt bei krummen Balken unter der Decke an, die näher an Bäumen sind, als an Deckenbalken und hört bei den Wänden aus Stroh und Lehm (!) noch lange nicht auf…

Und noch etwas typisch spanisches: Der Brasero, also der Bräter übersetzt. Hierbei handelt es sich mitunter um die angenehmste Wärmequelle, die ich jeh gesehen habe. Man nehme einen Tisch, zumeist der Küchentisch, und füge eine Tischplatte kurz über den Boden hinzu. In die Mitte dieser Platte kommt dann eine feuerfeste Schale mit Glut aus dem Ofen und ein Drahtgitter drüber. Dann setzt man sich an den Tisch. Füße auf die untere Tischplatte mit dem Brasero und eine groooße Tischdecke drüber, die über den Schoß bis auf den Boden reicht. So hat man den ganzen Abend warme Füße und Beine und man man friert kein Bisschen…

Heutzutage gibt es den Brasero immer noch — allerdings in einer elektrischen Ausführung :o)

Ozeaniego

Ozeaniego war mal ein Abschreibungsobjekt eines reichen Spaniers, der sich mal gleich einen ganzen Ort gegönnt hat. Natürlich ging das in die Hose und ich kenne den Ort ausschließlich als verwaiste Ruine vor den Toren Alijas.

Allerdings hat die Tourismus-Industrie auch in dem kleinen verschlafenen Nest von Alija Einzug erhalten und man hat kurzerhand Ozeaniego ein Freibad und eine Sporthalle spendiert.

Und natürlich wurden auch die vorhandenen Weinkeller komplett saniert und in eine riiieeesige Bodega umfunktioniert! Da kommt man schnell ins Staunen und im Sommer mal wieder auf „normale“ Temperaturen, wenn man unten sitzt…

El Rio

Hier haben wir ja schon als Kleinkinder gebadet. Die Wassermenge wurde von Jahr zu Jahr weniger, stagniert jetzt aber Gott sei Dank auf einem gerade noch akzeptablen Niveau. Vor ein paar Jahren hat man der altersschwachen Brücke eine neue zur Seite gesetzt. Freundlicherweise sieht man sie kaum von der „Badeseite“ aus. Man kann sie erahnen, wenn man durch die Bögen schaut.

Heimwärts

Für meine Schwester und mich geht es wieder zurück nach Madrid. Aber zunächst muss der Megane erst mal voll getankt werden. Und da stellt man plötzlich fest: Das Ding hat gar keinen Tankdeckel — nun, dann kann er auch nicht verloren gehen. Das scheint bei den Franzosen wohl öfter zu passieren…

Den Abend und damit den Abschied verbringen wir mit der ganzen Familie wie bei meinem Besuch aus Barcelona wieder in der spanischen Bar.

Und schwupps rein ins den Flieger nach München, während meine Schwester gen Süden nach Torre fliegt.

Ein kleiner Zeitvertreib mit Plastik-Futter — bei Condor gibt es wenigstens welches.

Und schon der Landeanflug in München und nun spiele ich mal Terminal. Allerdings nur vier Stunden lang, bevor es dann endlich gen Heimat geht!!! In diesem Flieger gibt es erstaunlicherweise sogar eine Bugradkamera! Fliegen live Smile :o)

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